"Egal ob Gin Rummy, Bridge oder Poker – man darf seine Karten verbergen und bluffen, um zu gewinnen", sagte Verteidiger Michael McGovern den Geschworenen laut einem Bloomberg-Bericht zu Beginn der Gerichtsverhandlung von James V. und Cedric C. in Chicago. Den ehemaligen Händler der Deutschen Bank wird vorgeworfen, sie hätten zwischen 2008 und 2013 mehrfach Handelsaufträge erteilt, die sie vor der Ausführung stornierten, um den Gold- und Silberpreis zu beeinflussen. Als Täuschungsmanöver abgegebene Orders mit der Absicht, sie vor der Ausführung wieder zu stornieren, werden als "Spoofing" bezeichnet. Beide Angeklagte plädieren auf nicht schuldig.

"Jede Order war rechtmäßig"
Die Verteidiger argumentieren, dass die Aktionen der Händler legal seien und das Stornieren von Orders eine akzeptierte Strategie in der wettbewerbsorientierten Welt des Hochfrequenzhandels sei, in der computergestützte Algorithmen Anwendung finden, um riesige Handelsgeschäfte in Millisekunden auszuführen. "Jede Order, die James aufgegeben hat, war rechtmäßig", meint sein Anwalt Roger Burlingame. "Die These der Staatsanwaltschaft lautet, dass James mit der Eingabe der Orders dem Supercomputer mitteilte, was er dachte."

Anwalt McGovern wiederum erklärte, dass sein Mandant C. "jede seiner Orders einlöste, die von einem anderen Marktteilnehmer angenommen wurden". Zwar werden die beiden Händler nicht des so genannten Spoofing beschuldigt, jedoch würden die Staatsanwälte den Begriff verwenden, um davon abzulenken, dass sie keinen Betrug beweisen können, so McGovern.

Angeklagte haben den "Markt auf den Kopf gestellt"
Staatsanwältin Leslie Salba Garthwaite ist naturgemäß völlig anderer Ansicht. "Sie haben an einem Betrug teilgenommen, der ihnen und ihrer Bank helfen sollte", sagte sie gegenüber der Jury. Die ehemaligen Deutsche-Bank-Händler hätten Angebot und Nachfrage verzerrt und damit den "Markt auf den Kopf gestellt." Nach Ansicht von Garthwaite seien diese Methoden ein Trick, die sie mit "Kaufen flüstern und Verkaufen schreien" verglich. (mb)