Die Erstellung und der Versand von Ex-post-Kostenausweisen haben 2020 nicht wesentlich besser funktioniert als in der ersten Runde 2019. Zu diesem Ergebnis kommt eine Kurz-Umfrage von FONDS professionell. Dafür hat sich die Redaktion im November bei sechs Geschäftsbanken, sieben Fondsplattformen sowie bei den Dachorganisationen der Sparkassen und der genossenschaftlichen Institute umgehört. Das ernüchternde Ergebnis: Die Probleme sind weitestgehend noch dieselben.

Ex-post-Kostenausweise müssen Banken und Finanzdienstleister, die unter die EU-Finanzmarktrichtlinie Mifid II fallen, Anlegern seit Anfang 2019 einmal jährlich zukommen lassen. Das gilt zumindest dann, wenn eine laufende Geschäftsbeziehung besteht, bei der das Institut Bestandsprovisionen vereinnahmt und dem Kunden dafür "laufende Vorteile" gewährt. In den Reportings sollen Kunden über alle Produkt- und Dienstleistungskosten informiert werden, die im Zusammenhang mit einer Geldanlage entstanden sind. Das gestaltet sich in der Praxis allerdings schwierig.

Versand meist im zweiten Quartal
So gab denn auch nur die Hypovereinsbank an, die Kostenberichte bereits im Februar 2020 verschickt zu haben. Einen Versand im ersten Quartal würde die Finanzaufsicht Bafin gern sehen, allerdings hat sie keine konkrete Frist vorgeschrieben. Die meisten anderen befragten Institute und Plattformen haben die Informationen im zweiten Quartal zur Verfügung gestellt. Bei Ebase wurde es August – und die DAB BNP Paribas hatte die Berichte selbst am 1. November noch nicht auf den Weg gebracht. 

"Ex-post-Kostenausweise zu erstellen, ist wirklich alles andere als trivial", sagt Georg Kornmayer, Geschäftsführer von Fondsnet. Er muss es wissen, denn als einer der ersten unabhängigen Dienstleister im Markt übernimmt der Erftstädter Maklerpool als Outsourcing-Partner für Banken und andere KWG-regulierte Institute das Erstellen von Ex-ante- und Ex-post-Kosteninformationen gemäß Mifid II. Zu den ersten Kunden, die auf diese Servicedienstleistung zurückgreifen, zählt ein Zusammenschluss von mehreren Genossenschaftsbanken.

Tatsächliche Kosten liegen zu Jahresbeginn oft noch nicht vor
"Insbesondere der Ex-post-Kostenausweis ist für Banken mit einem großen Aufwand verbunden, da in den Reports alle Kosten, Nebenkosten sowie Zuwendungen, die in einem Depot angefallen sind, differenziert abgebildet werden müssen”, erklärt Kornmayer. Dass der Versand der Berichte bei vielen Banken, Sparkassen und Fondsplattformen auch 2020 nicht im ersten Quartal möglich war, hat allerdings noch einen anderen Grund: Die tatsächlichen Kosten von Fonds für die vorangegangenen zwölf Monate lagen zu Jahresbeginn oft noch gar nicht vor. 

Die Finanzaufsicht erlaubt es den Kapitalverwaltungsgesellschaften daher, die jüngsten testierten Zahlen bereitzustellen. Doch dieser Ansatz birgt Tücken. Wird das Modell genutzt, fließen bei einem Fonds, dessen Geschäftsjahr von Januar bis Dezember reicht, in den Ex-post-Kostenausweis für das Jahr 2019 de facto die Produktkosten des Kalenderjahres 2018 ein, was zur Transparenz natürlich nicht gerade viel beiträgt. Möglicherweise wird in dem vermeintlich aktuellen Bericht für einen Fonds auch noch eine erfolgsabhängige Vergütung ausgewiesen, obwohl der in den vorangegangenen zwölf Monaten gar nicht performt hat und somit auch keine Gebühr berechnet wurde (lesen Sie hierzu auch den Kommentar von FONDS professionell-Redakteurin Andrea Martens: "Absurde Zahlen nutzen niemandem"). (am)


Einen ausführlichen Bericht über die Schwierigkeiten mit dem Ex-post-Kostenweis lesen Sie in FONDS professionell 4/2020 ab Seite 284. Die Ausgabe ist Ende November erschienen. Der Beitrag ist auch hier im E-Magazin zu finden (Anmeldung erforderlich).