Die Europäische Zentralbank (EZB) untersucht Vorwürfe, wonach die Deutsche Bank Risiken in ihrer Bilanz heruntergespielt und damit ein irreführendes Bild ihrer finanziellen Gesundheit abgegeben haben soll, schreibt die Nachrichtenagentur "Reuters" unter Berufung auf einen Bericht der "Financial Times" vom Dienstag (25.11.).

EZB prüft Vorwürfe eines Ex-Mitarbeiters
Die EZB befasst sich mit Anschuldigungen des früheren Mitarbeiters Dario Schiraldi, der die Bank verklagt. Schiraldi erhebt demnach Vorwürfe zur Nutzung sogenannter Netting-Praktiken durch die Deutsche Bank.

Laut dem "FT"-Bericht habe die EZB die deutsche Großbank in den vergangenen Monaten zu ihren Netting-Verfahren befragt. Die Aufsicht prüfe dies im Rahmen der Bewertung, wie die Bank Kapitalregeln und die Behandlung von Sicherheiten anwendet, heißt es weiter.

Netting bezeichnet die Verrechnung mehrerer finanzieller Verpflichtungen, um Kreditrisiken und die Berechnung regulatorischer Kapitalanforderungen zu reduzieren – ein gängiges Instrument im Bankensektor.

Ob die EZB formale Maßnahmen wie eine Untersuchung einleiten wird, sei laut dem Bericht unklar. Eine Entscheidung stehe noch aus.

Vorwurf: Milliarden an Verschuldungspositionen nicht erfasst
Schiraldi schrieb in einem Brief an die EZB, die Bilanz der Bank sei "wesentlich beeinflusst durch aggressive Netting- und Off-Balance-Sheet-Techniken", zitiert die "Financial Times". Diese Praxis habe dazu geführt, dass die Verschuldungspositionen in der Bilanz für 2024 "um mehr als 200 Milliarden Euro" zu niedrig ausgewiesen worden seien.

Die Deutsche Bank erklärte der "FT" zufolge, dass sie Netting im Einklang mit relevanten Rechnungslegungsstandards anwende und dies üblichen Branchenpraktiken entspreche.

"Reuters" schreibt weiter, dass die Nachrichtenagentur die Angaben nicht unabhängig verifizieren konnte. Die EZB und die Deutsche Bank reagierten außerhalb der regulären Geschäftszeiten nicht auf Anfragen nach einer Stellungnahme. (mb)