Bankvorstände haben viel Macht und Verantwortung, daher müssen sie sich vor einem Aufstieg in die Führungsetage einer Prüfung durch die nationale Finanzaufsicht unterziehen. So ist es zumindest in der Europäischen Union (EU) Usus. Doch die bisherige "Eignungsprüfung" reicht der Europäischen Zentralbank (EZB) nun nicht mehr aus. Daher wollen die Bankenaufseher künftig noch genauer hinschauen, wenn Institute Posten in ihrer Führungsriege neu besetzen, wie die "Süddeutsche Zeitung" (SZ) berichtet.

Notenbank-Direktor Yves Mersch, zugleich Vize-Chef der EZB-Bankenaufsicht, wolle "bestehende Lücken schließen". Dies hat er der SZ zufolge in einem Gastbeitrag für mehrere europäische Medien deutlich gemacht. 

Aufsichtsbehörde prüft Lebenslauf
Bislang müssen angehende Top-Manager von Geldinstituten etwa ihre Erfahrung in der Kreditvergabe nachweisen, auch Ausbildung, Leumund und der Charakter spielen für die Eignung zum Bankvorstand eine wichtige Rolle. Sobald sich der Aufsichtsrat auf einen Kandidaten geeinigt hat, muss die Bank den geplanten Personalwechsel der Aufsicht melden. Die Behörde durchleuchtet dann den Lebenslauf des Vorstands in spe.

Zwar hat die EZB zusammen mit den nationalen Aufsichtsbehörden einheitliche Kriterien für die Prüfung künftiger Führungskräfte in Banken erarbeitet. Das bestehende Verfahren kranke jedoch an der Zusammenarbeit mit den Bankaufsehern in den EU-Mitgliedsstaaten, schreibt die SZ. 

Unterschiedliche Kriterien
Der Grund: Der europäische Gesetzgeber hat bei der Umsetzung der entsprechenden Richtlinie viel Ermessensspielraum gelassen. Daher sehen die EU-Länder zum Teil sehr unterschiedliche Kriterien für die Eignung eines neuen Bankvorstands vor – sofern das Regelwerk überhaupt in nationales Recht gegossen wurde. So seien in einigen Staaten etwa anhängige Gerichtsverfahren gegen einen potenziellen Bankvorstand kein Grund ihn abzulehnen, in anderen schon, schreibt die SZ.

Nun will die europäische Notenbank für mehr Einheitlichkeit sorgen. "Die EZB wird Lücken schließen, indem sie die Banken durch strengere Eignungsprüfungen enger begleitet", sagte EZB-Aufseher Mersch der SZ zufolge. "Außerdem werden wir noch sorgfältiger prüfen, ob Fakten vorliegen, die negative Auswirkungen auf den Leumund der betreffenden Person haben könnten", erklärte er. Dies könnten etwa Vorstrafen oder laufende Gerichts- oder Verwaltungsverfahren sein.

Reaktion auf öffentliche Kritik
Die Notenbank reagiere mit dieser Maßnahme auch auf öffentliche Kritik, berichtet die SZ. Seit ihrer Gründung im Jahr 2014 habe die Behörde 12.500 Personen geprüft und als Vorstand oder Aufsichtsrat einer Bank die Eignung zugesprochen. Da niemand offiziell abgelehnt worden sei, verstärke sich der Eindruck, dass nicht streng genug geprüft werde. Dies soll sich nun ändern. (am)