Falsche Anlageberater erbeuten mindestens 50 Millionen Euro
Österreichische Ermittler haben gemeinsam mit albanischen Behörden und Europol ein Internet-Betrugsnetz ausgehoben.
Ein betrügerischer Callcenter-Ring soll Konsumenten europaweit um mindestens 50 Millionen Euro betrogen haben. Nach über zweijährigen Ermittlungen, die in Österreich starteten, wurde das kriminelle Unternehmen am 17. April hochgenommen.
In einem koordinierten Zugriff wurden drei Callcenter in Albanien ausgehoben, neun Privatwohnungen durchsucht, zehn Personen festgenommen. Die Beschlagnahmungen (450 Computer, 238 Mobiltelefone, weitere Datenträger und Speichermedien) verdeutlichen die umfassende Infrastruktur, mit der gearbeitet wurde. Zudem stellten die Behörden rund 900.000 Euro in bar sicher.
Promi-Schmäh
Geködert wurden die Opfer mit dem Promi-Schmäh, also gefälschten Online-Anzeigen, in denen VIPs wie die "ORF"-Moderatoren Armin Wolf und Nadja Bernhard vermeintlich ihre Investmentgeheimnisse preisgeben. Wer sich meldete, wurde von "Anlageberatern" oder "Brokern" kontaktiert, die lukrative Investmentmöglichkeiten vorgaukelten.
In vielen Fällen hatten die Kriminellen vollen Zugriff auf die elektronischen Geräte ihrer Opfer, weil sie sich einen Fernzugriff erschlichen. So etwas geschieht meist, indem man Login-Daten weitergibt oder indem man aufgefordert wird, Software-Programme wie Teamviewer zu installieren, mit denen Außenstehende fremde PCs bedienen können.
Betrugsopfer gab es laut der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) nicht nur in Österreich, sondern in ganz Europa und darüber hinaus: unter anderem in Deutschland, Italien, Griechenland, Spanien, Großbritannien und Kanada.
Verbrechen als Unternehmen
Der Fall kann in die Reihe "Verbrechen als Unternehmen" eingeordnet werden – ein Problem, das die Behörden zunehmend herausfordert. Die Callcenter seien wie legitime Geschäftsstrukturen organisiert gewesen, mit klarer Aufgabenteilung von Akquise über Kundenservice bis IT und Personalwesen. Die rund 450 Mitarbeiter erhielten ein monatliches Gehalt von etwa 800 Euro sowie Abschlussprovisionen, ausbezahlt teils bar, teils aber auch aufs Konto, teilt die WKStA mit.
Sie hat im Juni 2023 die Ermittlungen gemeinsam mit dem Bundeskriminalamt aufgenommen, nachdem es zu einer Häufung von Vorfällen in Wien gekommen war. Ermittelt wurde gemeinsam mit albanischen Behörden, unterstützt durch Eurojust und Europol.
Aufruf an Opfer
Für die Behörden ist die Informationslage nicht immer leicht, weil die Opfer sich meist zu spät melden. "Täter spielen skrupellos mit Hoffnung, Angst und Scham", betont der Leiter des Büros für Betrugsermittlungen des Bundeskriminalamts, Reinhard Nosofsky. Er rät, bei Betrug umgehend die Behörden einzuschalten. Jede Anzeige helfe bei den Ermittlungen und schütze andere.
Besonders dramatisch: Viele Betroffene wurden durch einen Folgebetrug (Recovery Scam) erneut abgezockt. Die Täter kontaktierten ihre Opfer später in der Rolle als angebliche Rechtsanwälte oder Dienstleister, die Geschädigten helfen würden, verlorene Gelder zurückzubringen. Dafür war eine Gebühr von 500 Euro auf einer Kryptowährungsplattform zu entrichten – Geld, das ebenso verloren war. (eml)















