Die Wettbewerbszentrale hatte 2017 wieder alle Hände voll. Insgesamt 10.478 Anfragen und Beschwerden wegen unlauteren Wettbewerbs landeten auf den Schreibtischen der Mitarbeiter – nur 422 weniger als im Jahr 2016. Die Unzufriedenheit mit Anbietern und Beratern aus der Finanz- und Versicherungsbranche bleibt dabei fast unverändert: Statt 159 mal wie 2016 kam es im vergangenen Jahr "nur" zu 147 Reklamationen. Tendenziell scheint der Wettbewerb in Deutschland allerdings fairer zu werden: 2015 zählte die Zentrale noch 12.000 Beschwerden von Verbrauchern und Mitbewerbern (FONDS professionell ONLINE berichtete).


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In einer Pressemitteilung berichtet die in Frankfurt ansässige Institution zudem über zwei Trends: Zum einen sind im Vorjahr seit der Einrichtung der internen Beschwerdestelle zu SEPA-Diskriminierung im Mai 2017 mehr als 200 Beschwerden über Verstöße gegen die europäische SEPA-Verordnung eingegangen, die den Zahlungsverkehr in Europa vereinheitlich. Die Eingaben richteten sich der Mitteilung zufolge gegen Finanzdienstleister, aber auch Unternehmen aus den verschiedensten Branchen wie Touristikunternehmen, Energieversorger Lebensmittelhersteller oder Krankenkassen. 

Intransparente Vermittlungs- und Vergleichsportale 
Weiter kritisiert die Beschwerdezentrale, dass Vergleichs- und Vermittlungsportale nach wie vor intransparent seien. Vergleichsportale für Versicherungen werden im Jahresbericht aber nicht erwähnt. "Nur wenige Portale sind ja völlig uneigennützig ganz im Dienste der Verbraucher unterwegs", erklärt das Geschäftsführende Präsidiumsmitglied Reiner Münker. Dagegen gebe es viele Portale, die letztlich nichts anderes seien als Marketinginstrumente der Provision zahlenden Drittanbieter. "Auch hier geht es nicht darum, jedes neue Internet-Geschäftsmodell abzuwürgen, sondern darum, dass der Verbraucher darüber aufgeklärt werden muss, dass Werbung betrieben wird oder gar Geld fließt", erläuterte er. 

Aus diesen Gründen hatte im vergangenen Herbst das Bundeskartellamt angekündigt, die Zuverlässigkeit und Objektivität von Vergleichsportalen zu prüfen. Die Wettbewerbsbehörde teilte mit, sie habe eine sogenannte Sektoruntersuchung eingeleitet, um "mögliche Verstöße gegen verbraucherrechtliche Vorschriften aufklären und konkretisieren zu können". Im Zentrum der Untersuchung sollen dabei Portale für Reisen, Stromtarife, Versicherungen, Finanzdienstleistungen und Telekommunikationsdienste stehen. (jb)