Deutsche Finanzinstitute müssen seit dem 23. Juli 2014 alle steuerrelevanten Daten von Kunden, die nach dem Gesetz "Personen der Vereinigten Staaten" sind, an die oberste US-Steuerbehörde melden. So ist es im Foreign Account Tax Compliance Act, kurz Fatca, geregelt. Fatca gilt in allen Ländern, die sich über bilaterale Abkommen mit den USA dazu verpflichtet haben, die Regelungen in nationales Recht umzusetzen.

Die Vereinigten Staaten möchten dadurch verhindern, dass US-Steuerpflichtige Gelder über den Weg ins Ausland gezielt am amerikanischen Fiskus vorbeischleusen. Doch Fatca entfaltet auch ein paar sehr unangenehme Nebenwirkungen. Rechtsanwalt Carl-Christian Thier von der deutsch-amerikanischen Kanzlei Urban Thier & Federer erklärt im Gespräch mit FONDS proffessionell, wo die Probleme liegen.


Herr Thier, seit einiger Zeit ist zu hören, dass Anleger, die dem Gesetz nach Bürger der Vereinigten Staaten sind, bei deutschen Finanzinstituten keine Anlagegeschäfte mehr tätigen können. Was ist der Grund dafür?
Carl-Christian Thier: Deutsche Banken ziehen sich aufgrund der enormen Reporting-Pflichten, die das Fatca-Abkommen vorsieht, derzeit massiv aus dem Anlagegeschäft mit US-Kunden zurück. Wenn man sich anschaut, was die Institute alles übermitteln müssen, wird klar, dass der Aufwand für sie riesengroß wäre. Immerhin beziehen sich die Meldevorschriften nach Fatca auf alle Geschäfts-, Giro-, Spar- und Terminkonten sowie auf Wertpapierdepots. Übermittelt werden müssen neben Name, Anschrift und Steuer-ID jedes Kunden unter anderem sämtliche Kontostände, Zinsen, Dividenden, Kursgewinne und vieles mehr.

Manche Banken teilen ihren US-Kunden mit, sie dürften ihnen aufgrund der Fatca-Regelungen keine Geldanlage mehr anbieten. Stimmt das?
Thier: Nein, das ist falsch. Fatca regelt lediglich die Meldepflichten, das Abkommen verbietet Finanzinstituten aber keineswegs, für US-Kunden in der Geldanlage tätig zu sein. So etwas sollte sich niemand, der unter die Fatca-Regelungen fällt, weismachen lassen.

Unter diese Regelungen fallen nicht nur US-Bürger. Wer ist außerdem betroffen? 
Thier: Das Abkommen erstreckt sich auf alle US-Bürger, auch wenn sie eine weitere Staatsbürgerschaft haben. Ob sie jemals in den Vereinigten Staaten gearbeitet oder gelebt haben, ist völlig irrelevant. Fatca gilt aber auch für deutsche Bürger, die dauerhaft in den USA ansässig sind, damit also für alle Inhaber einer Green Card.

Und wenn deutsche Staatsbürger nur vorübergehend in den USA arbeiten?
Thier: Das ist nicht ganz klar. Zumindest werden sie sich auf Fragen ihrer Banken einstellen müssen, möglichweise auch noch nach ihrer Rückkehr aus den USA. Der Arbeitsaufenthalt in den Vereinigten Staaten könnte als sogenanntes "US-Indiz" gelten. Und wenn Finanzinstitute auch nur die Vermutung haben, dass Fatca greifen könnte, müssen sie der Sache nachgehen. (am)


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