Fed-Gouverneur warnt vor Marktmanipulation durch KI
Fed-Gouverneur Michael Barr mahnt zur Vorsicht beim Einsatz künstlicher Intelligenz im Finanzsektor. Innovation müsse mit Stabilität einhergehen – sonst drohten neue Risiken für Marktvolatilität und Systemstabilität.
Michael Barr, Gouverneur der US-Notenbank Federal Reserve, hat klare Leitplanken für den Einsatz künstlicher Intelligenz (KI) im Finanzsektor gefordert. Nur so ließen sich neue Risiken vermeiden, sagte Barr am Mittwoch (12.11.) beim "Singapore Fintech Festival".
Regulierungsbehörden müssten das richtige Gleichgewicht zwischen Innovation und Stabilität finden, um sicherzustellen, dass KI langfristig Wachstum und Produktivität fördere, erklärte Barr.
"Pendel nicht zu weit ausschwingen lassen"
"Wenn ich nur über die Vereinigten Staaten spreche, mache ich mir Sorgen, dass wir das Pendel zu weit ausschwingen lassen und unsere Leitplanken so weit senken, dass wir uns zu großen Risiken aussetzen", sagte Barr in einer Diskussionsrunde mit mehreren Zentralbankvertretern.
KI dringt in Kernfunktionen von Finanzfirmen vor
Der Finanzsektor arbeite mit Hochdruck daran, KI in verschiedensten Geschäftsbereichen einzusetzen – etwa im Kundenservice, bei der Dokumentenzusammenfassung, im Vertrieb, Marketing und in der Unternehmenskommunikation, sagte Barr. "Aber Unternehmen beginnen auch zu prüfen, wie generative KI in ihre Kernfunktionen integriert werden könnte. Und das ist ein Bereich, der große Sorgfalt erfordert."
Gefahr von Marktmanipulation und systemischen Risiken
Laut Barr müssen Regulierer sicherstellen, dass neue Technologien keine Risiken durch Marktmanipulation oder Preisabsprachen schaffen. Er warnte vor Szenarien, in denen KI-Systeme miteinander handeln und dadurch Volatilität oder sogar systemische Risiken verstärken könnten.
Zudem warnte Barr, dass KI auf verzerrten Daten trainiert werden und dadurch neue systematische Fehler ins Finanzsystem tragen könnte.
Zwei mögliche KI-Szenarien für die Wirtschaft
Obwohl KI die Volkswirtschaften grundlegend verändern werde, gebe es verschiedene mögliche Entwicklungen, sagte Barr. Im ersten Szenario könne der Einsatz generativer KI bestehende Tätigkeiten ergänzen. Im zweiten könne sie transformativ wirken – mit tiefgreifenden Veränderungen von Arbeit, Freizeit und Geschäftsmodellen, die die Effizienz steigern.
"Diese unterschiedlichen Szenarien – und viele Zwischenschritte – sind möglich, und wir müssen sie im Blick behalten", sagte Barr.
Warnung vor negativen Auswirkungen auf Beschäftigung
Barr verwies zudem auf eine Umfrage der New York Fed, wonach der Einsatz von KI dazu geführt habe, dass Unternehmen ihre Einstellungspläne zurückfahren. Dies könne zu einem langsamen Beschäftigungswachstum beitragen, so der Fed-Gouverneur.
Er hob außerdem hervor, dass die geplanten Billioneninvestitionen in Rechenzentren tiefgreifende wirtschaftliche Veränderungen auslösen könnten – darunter Produktivitätsgewinne. "Investitionen in Kapital erhöhen in der Regel die Arbeitsproduktivität und bieten Potenzial für ein höheres Produktionswachstum, ohne langfristigen Inflationsdruck zu erzeugen", sagte Barr. Wenn diese Veränderungen bedeutend seien, könnten sie "auch Auswirkungen auf die Geldpolitik" haben. (mb/Bloomberg)















