Finanzier Lars Windhorst kassiert Bewährungsstrafe
Lars Windhorst ringt mit mehreren juristischen Verfahren. Ein britisches Gericht hat nun eine Bewährungsstrafe gegen den Finanzier verhängt. Er soll das Gericht missachtet haben. Noch muss Windhorst nicht ins Gefängnis. Das ist nicht die erste Haftandrohung eines Richters gegen den Investor.
Der deutsche Investor Lars Windhorst wurde wegen Missachtung des Gerichts für schuldig befunden und von einer Londoner Richterin zu einer Freiheitsstrafe von 18 Monaten auf Bewährung verurteilt. Dies berichtet die Nachrichtenagentur "Bloomberg". Windhorst war nicht zu einem Gerichtstermin erschienen. Er muss aber nicht sofort ins Gefängnis.
Hintergrund des Verfahrens ist ein Verstoß von Windhorst gegen eine frühere gerichtliche Anordnung im Zusammenhang mit einem langjährigen Rechtsstreit mit dem in Abu Dhabi ansässigen Brokerhaus ADS Securities. Eine Richterin am High Court hatte im Dezember 2022 entschieden, dass Windhorsts Investmentvehikel Tennor Holding 27 Millionen Euro an ADS zahlen muss, doch diese Forderung ist nach wie vor unbeglichen.
"Genug ist genug"
Richterin Julia Dias verurteilte Windhorst am Montag (30.3.) zu einer Freiheitsstrafe von 18 Monaten, nachdem sie ihn der Missachtung des Gerichts für schuldig befunden hatte. Eine weitere Anhörung in dieser Angelegenheit wird in den nächsten vier Monaten angesetzt, und die Strafe wird für neun Monate ausgesetzt.
Windhorst nahm nicht an der Anhörung teil, wurde jedoch von einem Anwalt vertreten und entschuldigte sich in einer dem Gericht vorgelegten Zeugenaussage. Bei seiner nächsten Anhörung kann ein Richter entscheiden, ob und wann Windhorst die ausgesetzte Strafe verbüßen muss. "Wenn er ernst genommen werden will, hätte er vor Gericht erscheinen und sich persönlich entschuldigen sollen", sagte Dias bei der Urteilsverkündung. "Genug ist genug, er hat die Geduld des Gerichts erschöpft. Das Gericht muss zeigen, dass mit ihm nicht zu spaßen ist."
"Das ist äußerst bedauerlich"
Windhorst, eine der umstrittensten Persönlichkeiten der europäischen Finanzwelt, und seine Unternehmen sehen sich einer Reihe finanzieller und rechtlicher Schwierigkeiten gegenüber. Gläubiger zogen vor Gericht, um Millionenbeträge an unbezahlten Schulden zurückzufordern. So sahen sich Windhorst und die von ihm kontrollierten Unternehmen mit Klagen eines norwegischen Reeder-Magnaten, eines Sprösslings der Bankiersfamilie Rothschild und eines italienischen Kreuzfahrt-Tycoons konfrontiert.
"Das ist äußerst bedauerlich", sagte Windhorst in einer Erklärung gegenüber "Bloomberg News". "Es war meine Schuld. Ich habe mich vor Gericht entschuldigt." Eine strafrechtliche Untersuchung in Deutschland im Jahr 2021, ob er durch die Einrichtung einer Zweckgesellschaft zur Rückzahlung an die Investmentfirma H2O Asset Management gegen Bankvorschriften verstoßen habe, war eingestellt worden.
Ausstehende Forderung
Die noch ausstehende Forderung aus dem Urteil bezieht sich auf eine Transaktion mit Aktien des deutschen Unternehmens Fyber im Jahr 2021. Tennor versäumte es demnach, im Rahmen der Transaktion 27 Millionen Euro an ADS Securities zu zahlen oder eine Reihe von Aktien zu übertragen, die als Sicherheit dienen sollten.
Seit dieser gescheiterten Transaktion und dem anschließenden Urteil zugunsten von ADS Securities habe Windhorst eine Reihe von gerichtlichen Anordnungen nicht befolgt, so die Anwälte der Wertpapierfirma in ihren Ausführungen vor Gericht.
Per Privatdetektiv gesucht
Im Jahr 2023 bestand Windhorst darauf, eine Anordnung persönlich zugestellt zu bekommen, anstatt sie wie üblich über seinen Rechtsbeistand zu erhalten. Dies dauerte drei Monate, wobei ein Privatdetektiv beauftragt wurde, Windhorst in seinem Büro in London die Anordnung zuzustellen.
Auch in Deutschland hatte ein Richter zeitweilig einen Haftbefehl gegen Windhorst verhängt, weil dieser nicht vor Gericht erschienen war. Zudem warf ihm das Gericht vor, nicht ausreichend an einem Verfahren mitzuwirken. Der Haftbefehl wurde später ausgesetzt. Bei dem Verfahren drehte es sich um die Insolvenz einer Gesellschaft aus Windhorsts Firmengeflecht, die Haupteigentümerin einer Immobilie in Hannover war, dem Ihme-Zentrum. (Bloomberg/ert)















