Fehlende Warnhinweise, schwammige Formulierungen bei der Beschreibung von Anlageobjekt und Prognosen, Mängel bei der Darstellung der Kosten – so fasst das Marktwächter-Team der Verbraucherzentrale Hessen eine Analyse zur Transparenz von Vermögensanlagen in Form von Beteiligungen, Nachrangdarlehen oder Direktinvestments zusammen. In mehr als der Hälfte der untersuchten Fälle informierten Anbieter zudem nicht, in welche Anlageobjekte Verbraucher genau ihr Geld investieren, da es sich um Blindpools handele, so die Verbraucherschützer in einer Pressemitteilung.

Die Mitarbeiter des Finanzmarktwächters dürften dabei sehr kritisch hingeschaut haben. "Dieses Segment ist aus Verbrauchersicht grundsätzlich problematisch. Verbraucher können Chancen und Risiken wegen der häufig komplexen rechtlichen Ausgestaltung schwer abschätzen", so Wolf Brandes, Teamleiter Grauer Kapitalmarkt beim Marktwächter Finanzen der Verbraucherzentrale Hessen. "Sie sind deshalb erst recht auf zuverlässige und transparente Informationen durch die Anbieter angewiesen."

Berlin will auch bei Vermögensanlagen nachbessern
Daher untersuchte das Team die Werbung und Unterlagen von 36 Vermögensanlagen, die im Herbst 2018 öffentlich angeboten wurden. Die Kriterien seien auf Basis gesetzlicher Vorgaben wie dem Vermögensanlagegesetz (VermAnlG) und Kommentierungen von Rechtsexperten selbst entwickelt worden.

Ob die Untersuchung der Verbraucherschützer im Zusammenhang mit dem Vorstoß der Bundesregierung steht, Sachwert-Investments künftig strenger regulieren zu wollen, geht aus der Meldung nicht hervor. Möglicherweise hat sie mit zu der Ankündigung der Regierung geführt.

Blindpools: Beispielhaft undurchsichtig
In mehr als zwei Drittel der Fälle haben Anbieter die Anlageobjekte nicht angemessen beschrieben, so das Urteil. Anhand der Angaben im dreiseitigen Vermögensanlagen-Informationsblatt (VIB) sei nicht klar geworden, worin genau Verbraucher ihr Geld investieren. Als Kriterien für eine transparente Darstellung nahmen die Verbraucherschützer nach eigenen Angaben bei Containern Angaben zu Alter, Größe und Vermietungsstatus. Bei Infrastrukturprojekten schauten sie auf Umfang, Lage und Leistung, bei Projekten mit regenerativen Energien auf die Anbindung dieser Anlagen an Netze.

Mit allein 21 Angeboten dominierten Blindpools oder Semi-Blindpools die Stichprobe. "Man wird wenigstens erwarten dürfen, dass Blindpool draufsteht, wenn Blindpool drin ist – aber nicht einmal das ist immer der Fall", kritisiert Brandes. Werde eine Vermögensanlage in Form eines Blindpools angeboten, muss sich der Anbieter noch nicht verbindlich festlegen, in welche Anlageobjekte er die eingesammelten Gelder im Einzelnen investieren will. Von den 21 untersuchten Blindpools erfüllten 16 die Transparenzkriterien der Verbraucherschützer nicht.

Provisionen von 31 Prozent
Neun der 36 untersuchten Anbieter setzten die gesetzlichen Vorgaben zur transparenten Darstellung von Kosten und Provisionen nur unzureichend um. Das sei vor allem deshalb ein Problem, weil hierfür erhebliche Summen zusammenkommen können: In sieben Fällen betrugen die Provisionen zehn bis 15 Prozent und in sechs Fällen sogar mehr als 15 Prozent. Der höchste Wert lag bei 31 Prozent. "Bei derart hohen Provisionen, die ja nur ein Teil der Gesamtkosten sind, dürften sich solche Investments nicht mehr lohnen. Das müssen Verbraucher rechtzeitig erkennen können, um Fehlentscheidungen zu vermeiden. Auch die Gesamtkosten können Verbraucher kaum erkennen, selbst wenn die gesetzlichen Vorgaben formal erfüllt sind", meint Brandes.

Nicht nachvollziehbar fanden die Marktwächter in vielen Fällen auch die Prognosedarstellung. Hier sollen Anbieter im Prospekt Aussagen dazu machen, wie sich unterschiedliche Marktentwicklungen auf die Auszahlungen auswirken, die Verbraucher erwarten können. 26 der 36 untersuchten Vermögensanlagen waren entsprechend dieser Kriterien nicht transparent beschrieben.

Werbung: Warnhinweise gesetzlich vorgeschrieben
Werbung für Vermögensanlagen muss der Anbieter laut Gesetz mit einem deutlich hervorgehobenen allgemeinen Hinweis versehen, dass die Anlagen zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen können. Von den untersuchten Vermögensanlagen prüften die Marktwächter-Experten die 34 Anbieter, die ihre Produkte auf der eigenen Homepage bewarben und für die diese Angaben verpflichtend waren. Der allgemeine Risikohinweis war zwar in 29 Fällen vorhanden – davon jedoch bei 13 Anbietern nicht deutlich hervorgehoben.

Viel Luft nach oben in puncto Transparenz
Die Informationen zu den untersuchten Vermögensanlagen (VIB, Prospekt und Werbung) boten interessierten Verbrauchern insgesamt überwiegend nicht die Möglichkeit, sich angemessen für eine bewusste Anlageentscheidung zu informieren, fassen die Marktwächter zusammen.

"Wenn Anbieter verpflichtende Angaben zu Risiken in grauem Text vor hellgrauem Hintergrund darstellen oder Kosten im Fließtext verschwinden lassen, drängt sich uns der Verdacht auf, dass Verbraucher die Hinweise überlesen sollen", meint Brandes. "Anbieter müssen die gesetzlichen Vorgaben konsequent einhalten. Dazu gehört neben den verpflichtenden deutlichen Warnhinweisen auch, dass sie in den gesetzlich vorgeschriebenen Dokumenten alle wichtigen Informationen klar und verständlich darlegen. Ein Verbraucher muss wissen, in was er investiert, wenn er das dreiseitige Infoblatt gelesen hat." (jb)