Im Mai 2010 stürzte der US-amerikanische Dow-Jones-Aktienindex innerhalb weniger Minuten um 600 Punkte ab. Fünf Jahre später verhafteten Ermittler den britischen Börsenhändler Navinder Singh Sarao. Letztlich wurde der Händler zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt – und hat jetzt gute Chancen, dauerhaft frei zu kommen. US-Staatsanwälte empfehlen, den "Flashcrash"-Trader nicht weiter gerichtlich zu belangen, berichtet das "Manager Magazin".

Als Begründung nennt die Staatsanwaltschaft seine "außerordentliche Kooperationsbereitschaft". Nach seiner Inhaftierung schloss der Angeklagte mit den Behörden einen Deal und packte umfassend aus. Laut Staatsanwaltschaft sollen die detaillierten Schilderungen Saraos zum Tathergang mit Blick auf die Bekämpfung künftigen Marktmissbrauchs äußerst wertvoll gewesen sein. "Die Zusammenarbeit des Angeklagten erstreckte sich über Jahre […] und war außergewöhnlich zeitnah, vollständig, wahrheitsgemäß und hilfreich für die Regierung", schreiben sie in ihrem Statement, aus dem das "Manager Magazin" zitiert.

Gier lässt Märkte crashen
Sarao soll mit einer selbst entwickelten Software innerhalb von fünf Jahren rund 40 Millionen US-Dollar ergaunert haben. Dabei soll er sich der Methode des sogenannten Spoofings bedient haben. Beim Spoofing geht es darum, sehr schnell Kauf- und Verkaufsaufträge für bestimmte Wertpapiere zu erteilen und zu widerrufen und so die Kurse in die gewünschte Richtung zu lenken.

Hatten sie das gewünschte Zielniveau erreicht, kaufte Sarao die Papiere günstig ein, um sie später deutlich teurer wieder zu verkaufen. So soll Sarao auch am 6. Mai 2010, dem Tag des Flashcrashs, agiert haben. Durch seine Manipulationen wurden buchhalterisch hunderte Millionen US-Dollar Börsenwert schlagartig vernichtet. (fp)