Die Basisinformationsblätter nach der europäischen Priips-Verordnung finden mit hoher Wahrscheinlichkeit erst ab dem Jahr 2022 für Publikumsfonds Anwendung – und nicht schon wie ursprünglich geplant ab 2020.

Der Wirtschafts- und Währungsausschuss im EU-Parlament (Econ) verabschiedete eine Beschlussvorlage für das Plenum, wonach zwei wichtige Fristen verlängert werden: Zum einen sollen Fondsanbieter länger als bisher geplant an den bewährten "Wesentlichen Anlegerinformationen" festhalten können, zum anderen soll die Frist für die geplante Überprüfung der Priips-Regeln um ein Jahr bis Ende 2019 verlängert werden. Über eine entsprechende Initiative mehrerer einflussreicher EU-Parlamentarier hatte FONDS professionell ONLINE Ende Oktober berichtet. In der Regel folgt das Parlament dem Votum des Econ-Ausschusses, eine Zustimmung darf daher als wahrscheinlich gelten.

"Etappensieg für Verbraucher"
Die Informationsblätter nach der Verordnung für verpackte Anlageprodukte (Packaged retail and insurance-based investment products, Priips) sind hoch umstritten, unter anderem wegen ihrer Methoden zur Berechnung der Transaktionskosten und der Wertentwicklungsszenarien.

Der deutsche Fondsverband BVI spricht daher von einem "Etappensieg für Verbraucher". "Die längeren Fristen geben uns mehr Zeit, die Mängel gemeinsam mit den Regulierern zu beheben", sagte BVI-Hauptgeschäftsführer Thomas Richter.

"Gründlichkeit vor Schnelligkeit"
Die Überprüfung sollte dabei nicht auf die Detailvorgaben der europäischen Aufsichtsbehörden (ESAs) beschränkt bleiben, fordert der Verband. Auch die Priips-Verordnung selbst müsse an einigen Stellen noch einmal kritisch geprüft werden.

Der BVI sieht nun außerdem keinen Grund mehr für einen sogenannten "Quick Fix" der Mängel, wie ihn die ESAs Anfang November vorgeschlagen hatten. "Das Priips-KID soll 50 Millionen europäischen Privatanlegern als Entscheidungsgrundlage dienen, deshalb gilt der Grundsatz 'Gründlichkeit vor Schnelligkeit' ", so Richter. Die im Konsultationspapier der ESAs enthaltenen Ansätze für einen "Quick Fix" lösen laut BVI die wichtigsten Probleme nicht.

"Abwegige Ergebnisse"
Für eine Überarbeitung macht sich auch der Deutsche Derivate Verband (DDV) stark. Er vertritt die Interessen der Zertifikateanbieter, die schon seit Jahresbeginn mit den Priips-KIDs arbeiten müssen. "Wir brauchen ein Basisinformationsblatt, das die Anleger aufklärt und nicht verwirrt", sagte DDV-Geschäftsführer Henning Bergmann. Insbesondere die gesetzlichen Vorgaben zur Berechnung der Performanceszenarien und Kosten führten teilweise zu "abwegigen Ergebnissen", so der Verband.

Der DDV begrüße, dass das EU-Parlament Defizite bei der Priips-Regulierung sehe. Diese müssten nun schnell behoben werden. Aber: "Die vorgesehene Verschiebung der Überprüfung um ein Jahr darf auf keinen Fall dazu führen, dass die Überarbeitung auf die lange Bank geschoben wird", betont der Verband. (bm)