In den Insolvenzverfahren der deutschen P&R-Gesellschaften führen Alleingänge einzelner geschädigter Anleger nicht zum Erfolg. Dies lasse sich klar aus einer aktuellen Entscheidung des Landgerichts Bonn ableiten, wie der Insolvenzverwalter Michael Jaffé aus München mitteilt. Das Gericht hat die Klage einer Rechtsanwaltskanzlei gegen die Schweizer P&R zurückgewiesen. Die Juristen hatten auf auf diesem Wege versucht, für einen ihrer Mandanten "Sondervorteile" herauszuholen, wie Jaffé es nennt. 

Der Anleger respektive seine Anwälte wollten die nicht insolvente Schweizer-P&R Gruppen-Gesellschaft, bei der die Einnahmen aus der weltweiten Container-Vermietung zusammenlaufen, unmittelbar auf Zahlung von Mieten in Anspruch nehmen. Dabei beriefen sie sich unter anderem auf das Vorliegen eines Zertifikats, welches das Eigentum des Anlegers an bestimmten einzelnen Containern dokumentieren sollte. 

Insolvenzverwalter sieht sich bestätigt
Das Landgericht Bonn habe diesem Vorhaben jedoch eine klare Absage erteilt, erklärt Jaffé. Es befand, dass die Mietzahlungen der Schweizer P&R-Gruppen-Gesellschaft selbst dann nur an die Insolvenzverwalter erfolgen dürfen, wenn der Anleger tatsächlich als Eigentümer zu betrachten sei. "Die Entscheidung des Landgerichts Bonn bestätigt einmal mehr unsere Auffassung, dass Gläubiger keine Ansprüche gegen die Schweizer P&R durchsetzen können", so Jaffé. 

Zugleich mache die Entscheidung deutlich, dass Versuche Einzelner, sich auf diesem Weg Sonderrechte zu verschaffen, zum Scheitern verurteilt sind. "Dies ist für die Gläubigergesamtheit positiv, weil damit Störungen der laufenden geordneten Verwertung der vorhandenen Container-Flotte verhindert werden", sagt Jaffé. Das wiederum diene dem Ziel, möglichst hohe Erlöse zu erzielen, die zeitnah an die Gläubiger ausgeschüttet werden sollen.

Post für 54.000 Anleger
Die Rechtsanwaltskanzlei Jaffé hatte die etwa 54.000 Investoren des insolventen Containeranbieters im Frühjahr 2019 angeschrieben, sie gebeten, einem Vergleich zustimmen sowie auf die Verjährung möglicher Ansprüche gegen sie selbst zu verzichten. Der Vergleich soll sicherstellen, dass die Forderungen der Gläubiger nach einem einheitlichen Modell berücksichtigt werden und somit niemand bevor- oder benachteiligt wird. Kritiker hatten den angebotenen Vergleich jedoch als delikat bezeichnet. Denn mit Unterzeichnung des Papiers werden die Gläubiger so gestellt, als hätten sie ihre Investments nie getätigt, also keine Verträge mit P&R abgeschlossen.

Die Zustimmungsquote seitens der Gläubiger belaufe sich inzwischen auf über 98 Prozent, teilt Insolvenzverwalter Jaffé mit. Die Auswertung der Rücksendungen werde voraussichtlich im Herbst beendet sein wird. Dann könne auch die abschließende Entscheidung über die Annahme des Vergleichs erfolgen. Eine erste Abschlagsverteilung für die Gläubiger, die der Vereinbarung zugestimmt haben, soll noch im Jahr 2020 auf den Weg gebracht werden. (am)