Das Landgericht Kassel hat einen ehemaligen Berater einer Sparkasse aus Nordhessen zu einer Gefängnisstrafe von zwei Jahren und acht Monaten verurteilt. Außerdem hat das Gericht angeordnet, veruntreute Gelder in Höhe von 460.000 Euro einzuziehen. Das berichtet das "Handelsblatt". Der Fall war bereits im Frühjahr 2019 bekannt geworden, die Gerichtsverhandlung startete aber erst in diesem November.

Der Ex-Berater war wegen Betruges in 29 Fällen angeklagt. Er soll laut der Wirtschaftszeitung zwischen 2014 und 2019 zumeist wohlhabende Kunden um mehrere Hunderttausend Euro gebracht haben. So soll er unter anderem von einer mittlerweile 91 Jahre alten Kundin den Empfang von Goldbarren quittiert haben – nur um das Gold dann auf eigene Rechnung zu verkaufen, während die Seniorin glaubte, dass er das Edelmetall für sie sicher verwahren würde. Allein bei dieser Kundin entstand in Summe ein Schaden von knapp 200.000 Euro.

Spielsucht 
Die Ursache für die kriminellen Aktivitäten war Spielsucht, welche auch ein Gutachten attestierte. Den Mann habe nach eigenen Angaben der Erfolgs- und dann der gestiegene Verkaufsdruck in die Sucht getrieben, der er vornehmlich mit Sportwetten nachging. Irgendwann "drehte sich von morgens bis abends alles nur noch ums Zocken", zitiert das Handelsblatt aus einer achtseitigen Einlassung des Ex-Beraters, die er vor Gericht vortrug.

Die Staatsanwaltschaft Kassel ermittelt dem Handelsblatt zufolge auch, ob der Berater zudem "abrede- und pflichtwidrig" hochriskante Anlagen für eine Kundin getätigt habe. Dabei gehe es um Termingeschäfte im Wert von mehreren Hunderttausend Euro. Dazu liege "ein betriebswirtschaftliches Sachverständigengutachten vor, das nunmehr der Sichtung und Auswertung bedarf", so die Zeitung unter Berufung auf die Strafverfolger.

Anklage gegen zweiten Sparkassen-Mitarbeiter
Außerdem haben die Staatsanwälte aus Kassel einen zweiten ehemaligen Mitarbeiter der gleichen Sparkasse im Visier. Sie legen dem Mann laut der Zeitung Diebstahl und Sachbeschädigung zur Last und haben daher Anklage erhoben. Er solle sich Ende Mai 2019 in einer Filiale unter Nutzung von Zugangsdaten Zugriff auf das Ausgabefach eines Geldautomaten verschafft und dort Bargeld im Gegenwert von über 148.000 Euro entwendet haben. (jb)