Gnade vor Recht: Ein Jugendschöffengericht in Göttingen hat der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ) zufolge einen 21 Jahre alten Auszubildenden zwar wegen neunfachen gewerbsmäßigen Betrugs mit falschen Goldbarren verurteilt, dabei aber von einer Freiheitsstrafe abgesehen. Stattdessen kam er mit einer Bewährungsstrafe davon.

Der Fall hatte im Sommer 2018 für Aufsehen gesorgt. Der junge Mann hatte der Sparkasse Göttingen bereits zwei Jahre zuvor mehr als 270 falsche Goldbarren und -münzen verkauft und dafür insgesamt 300.000 Euro kassiert. Die ungewöhnlich umfangreichen Verkäufe – insgesamt gab es wohl neun Transaktionen – begründete er gegenüber der Bank mit einer Erbschaft.

Sparkasse hat nicht kontrolliert
Der Schwindel war lange Zeit nicht aufgefallen, da die Sparkasse das angebliche Massivgold entgegen ansonsten üblicher Gepflogenheiten nicht auf Echtheit geprüft hatte. Dabei hätte der FAZ zufolge schon ein kurzer Check mittels Kratzen an der Oberfläche verraten, dass es sich um eine ziemlich plumpe Fälschung gehandelt hatte. 

Unter anderem auch wegen dieses fahrlässigen Handels der Bankangestellten verhängte das Jugendgericht die milde Strafe. Sollte der Auszubildende, der zur Tatzeit 18 Jahre alt war und daher nicht nach Erwachsenenstrafrecht verurteilt wurde, sich in den kommenden zwei Jahren aber erneut etwas zuschulden kommen lassen, droht eine Nachverhandlung.

Die Bank hatte das Verfahren selbst ins Rollen gebracht, da sie wegen hoher Geldeinzahlungen des jungen Mannes von möglicher Geldwäsche ausging. Ihre zivilrechtlichen Ansprüche an den Auszubildenden hat die Sparkasse laut der Zeitung bereits in einem Vergleich geklärt: Er muss noch 116.000 Euro zurückzahlen. (jb)