Vor zwei Tagen platzte die Bombe. Die Finanzaufsicht Bafin hat am 3. März im Zusammenhang mit der Krise der australischen Greensill-Gruppe die Greensill Bank für den Kundenverkehr geschlossen und ein Veräußerungs- und Auszahlungsverbot verhängt. Grund ist eine drohende Überschuldung des Bremer Instituts, das laut Schätzungen allein eine Milliarde Euro von deutschen Sparern eingesammelt hat –  häufig über Online-Vergleichsplattformen wie Weltsparen oder Zinspilot. Viele Verbraucher dürften sich fragen, was mit ihrem Geld nun passiert.  "Privatanleger können erst mal einfach abwarten", beruhigt Niels Nauhauser, Finanzfachmann der Verbraucherzentralen, laut einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ). Falls die Bafin den Entschädigungsfall feststellt, was noch nicht geschehen sei, müssten Sparer binnen sieben Tagen entschädigt werden. Und sie müssten dafür nicht einmal selbst aktiv werden, so die FAZ weiter.

Das Procedere laufe wie folgt ab: In einem ersten Schritt stellt die Aufsichtsbehörde den Entschädigungsfall fest. Am nächsten oder übernächsten Arbeitstag werde die Öffentlichkeit von der deutschen Einlagensicherung zu den Details des Entschädigungsverfahrens informiert. Bis zum fünften Tag bereite das Entschädigungssystem die individuelle Auszahlung vor und erfrage etwa die Kontonummer. Zwischen dem fünften und siebten Tag zahle das Sicherungssystem dann den Entschädigungsbetrag aus.

Zwei Geldtöpfe
Diese Überweisung würde am Ende aus zwei Töpfen gespeist werden: aus der gesetzlichen und aus der freiwilligen Einlagensicherung der privaten Banken, der die Greensill Bank angehört. Das erläutert die Zeitschrift "Capital". Hintergrund ist, dass Guthaben bis zu einer Summe von 100.000 Euro gesetzlich gesichert sind. Diese Summe kommt Capital zufolge aus der gesetzlich verpflichtenden Einlagensicherung aller Kreditinstitute. Der zweite Topf ist die freiwillige Sicherung der privaten Banken.

Allerdings: Noch sei ist unklar, ob die Bafin für Greensill überhaupt den Entschädigungsfall attestiert, so die FAZ. Es sei nur eine Möglichkeit von zweien. Die andere wäre, dass das Moratorium irgendwann aufgehoben werde. Nach spätestens sechs Wochen aber haben die Sparer Klarheit – wenn bis dahin das Moratorium nicht aufgehoben sei, tritt gleichsam automatisch der Entschädigungsfall ein.

Vorzeigestadt verliert womöglich Millionen
Die deutsche Einlagensicherung springt aber nur ein, wenn privaten Sparern der Verlust ihres Geldes droht. Für sogenannte "Gebietskörperschaften" wie Städte oder Kommunen spannt die Einlagensicherung kein Sicherheitsnetz. Betroffen sein könnte beispielsweise die Stadt Monheim am Rhein: Von ihr stehen bei der Greensill Bank satte 38 Millionen Euro im Feuer, berichtet "Bloomberg". Die Stadt, die als "schuldenfreie Kommune" seit 2013 regelmäßig Schlagzeilen machte, hat in insgesamt fünf Tranchen zwischen Sommer 2020 und Januar 2021 Überschüsse bei Greensill investiert.

Dabei handelte es sich überwiegend um Festgelder mit einer Laufzeit zwischen drei Monaten und zwei Jahren. Die Anlagen seien nach Konsultationen durch Finanzberater erfolgt. "Es könnte sein, dass der komplette Ausfall des angelegten Geldes droht. Wir verfolgen nun die Untersuchungen der Bafin”, erklärte Monheims Bürgermeister Daniel Zimmermann. (jb)