Die Bafin hat mit einer groß angelegten Verbraucherumfrage erhoben, was Privatanleger von den Anfang 2018 eingeführten Mifid-II-Regeln halten – und wie sie darauf reagiert haben. Für die Studie befragte das Marktforschungsinstitut Forsa Ende März und Anfang April dieses Jahres mehr als 3800 Personen.

"Die Ergebnisse der Umfrage ergeben ein differenziertes Bild", teilt die Bonner Behörde mit. "Während der überwiegende Anteil der Befragten den neuen Pflichten weitgehend positiv gegenüber eingestellt ist, monieren einige Verbraucher die damit einhergehende Informationsfülle."


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Die neue Geeignetheitserklärung und die Ex-ante-Kosteninformation würden überwiegend positiv eingeschätzt. Auch das Taping, also die gesetzlich geforderte Aufzeichnung von Telefongesprächen im Wertpapiergeschäft, komme gut an, heißt es in einer Mitteilung zur Studie.

"Doch die Umfrage zeigt auch, dass eine große Zahl der Anleger von den neuen Informationsmöglichkeiten noch nicht ausreichend Gebrauch macht", betont die Bafin. So gibt mehr als die Hälfte der Befragten an, den Kostenausweis nicht gelesen zu haben. Viele Bankkunden haben sich auch nicht näher mit der Geeignetheitserklärung auseinandergesetzt. Als Grund geben sie unter anderem die zu umfangreichen Informationen an. "Da Verbraucher eine eigene Verantwortung bei der Geldanlage haben, sollten sie die neuen Informationsmöglichkeiten auch nutzen", fordert Christian Bock, Abteilungsleiter Verbraucherschutz bei der Bafin.

Dachverband der Kreditwirtschaft kommt zu anderen Ergebnissen
In einigen Punkten, etwa mit Blick auf das Taping, unterscheiden sich die Ergebnisse der Bafin-Erhebung deutlich von anderen Studien, beispielsweise von der Untersuchung, die der Bankendachverband Deutsche Kreditwirtschaft (DK) bei der Ruhr-Universität Bochum in Auftrag gegeben hatte (FONDS professionell ONLINE berichtete).

Die DK könne nicht nachvollziehen, dass die Aufzeichnung von Telefongesprächen bei den Kunden gut ankäme. "Viele Kunden haben sich aus dem Telefongeschäft bereits zurückgezogen", heißt es in einer Pressemitteilung des Verbands. "So ist bei deutschen Banken und Sparkassen die Anzahl telefonisch erteilter Orders um die Hälfte eingebrochen, und drei Viertel aller Kunden möchte am liebsten auf die Telefonaufzeichnung verzichten."

Dass die Bafin-Befragung ausgerechnet in diesem Punkt zu anderen Zahlen komme, lasse sich aus Sicht der DK dadurch erklären, dass nur Kunden berücksichtigt wurden, die weiterhin noch telefonisch Orders erteilen. Die DK erneuerte ihre bereits mehrfach erhobene Forderung: "Mifid II auf den Prüfstand!" (bm)