Alexander Hahn, Vorstand von Light Now, bietet den Anleihegläubigern der insolventen Deutsche Lichtmiete an, ihre Ansprüche zu einem symbolischen Preis von 0,1 Prozent des Nominalwerts abzukaufen. Die von Hahn gegründete Deutsche Lichtmiete, die Beleuchtungssysteme entwickelt und vermietet hat, hat zwischen 2016 und 2021 vier Anleihen mit einem Gesamtvolumen von rund 130 Millionen Euro begeben und einzelne Lampen in Höhe von insgesamt rund 80 Millionen Euro an Direktinvestoren vertrieben. Im Dezember 2021 fror die Oldenburger Staatsanwaltschaft im Rahmen einer Hausdurchsuchung alle Konten der Deutschen Lichtmiete ein, die daraufhin Insolvenz anmeldete.

Indem er möglichst viele Ansprüche von Anleihegläubigern bündelt, sieht Hahn Chancen, eine höhere Insolvenzquote zu erreichen, als wenn die Dinge weiterlaufen würden wie bisher. An einer höheren Quote würde er die Anleihegläubiger, die an ihn verkauft haben, zu 80 Prozent beteiligen.

Weiteren Abfluss aus der Insolvenzmasse verhindern
"Wir sind fest davon überzeugt, dass sich durch unsere Arbeit eine deutlich höhere Quote erzielen lassen wird als durch die sogenannte Insolvenzverwaltung. Momentan können wir alle nur untätig zusehen, wie die Masse geschändet und am Ende sehr wahrscheinlich eine Quote nahe Null für die Anleihegläubiger erreicht wird", schreibt Hahn an die Anleihegläubiger.

Hahn wirft Rüdiger Weiß, dem Insolvenzverwalter der Deutschen Lichtmiete, vor, die Insolvenzmasse unzulässig zu schmälern, beispielsweise durch Zahlungen an die Firma Novalumen, die der Unternehmensberater Frank Günther von One Square ein Jahr nach der Insolvenz der Deutschen Lichtmiete gegründet hat, um das Geschäftsmodell der Deutschen Lichtmiete fortzusetzen.

Gemeinsamer Vertreter der Anleihegläubiger saß im Gefängnis
Frank Günther beziehungsweise die Unternehmensberatung One Square ist Vertreter der Anleihegläubiger, seine Firma Novalumen (zunächst: DLM Deutsche Leuchtmittel) ist allerdings seit Frühjahr vergangenen Jahres in einer "solventen Liquidation" und Günther selbst seit Dezember vergangenen Jahres in Untersuchungshaft gewesen, wenn auch wegen eines anderen Falls: Ihm wurde versuchter Betrug im Zusammenhang mit dem 90-prozentigen Schuldenschnitt einer Anleihe des Spezial-Textilherstellers Sympatex vorgeworfen. Vergangenen Freitag (17.10.) wurde er zu einer Haftstrafe und einer Geldzahlung verurteilt.

Alexander Hahn ist es bereits gelungen, in der Light Now rund 90 Prozent der Ansprüche der Direktinvestoren zu bündeln, indem er wesentliche Vermögenswerte der in Liquidation befindlichen Novalumen übernommen hat und seit März dieses Jahres den Betrieb des ehemaligen Geschäfts der Deutschen Lichtmiete fortführt.

Mehr als Null wäre schon ein Erfolg
Die Anleihen der Deutschen Lichtmiete notieren derzeit zwischen 0,3 und 0,8 Prozent. Hahn erwartet jedoch eine Insolvenzquote nahe Null, wenn nicht schnell gehandelt wird. Unter anderem durch "massive Schadenersatzforderungen gegen lnsolvenzverwalter Weiß" will Hahn eine deutlich bessere Insolvenzquote für die Anleihegläubiger erzielen.

Der Insolvenzverwalter hat seinerseits Hahn auf mehrere Millionen Euro Schadenersatz verklagt, wie ein Sprecher auf Nachfrage von FONDS professionell ONLINE mitteilt. Bei Hahns Klageankündigung handle es sich um einen "durchschaubaren Versuch, von seinen eigenen Problemen abzulenken", so der Sprecher, "die Insolvenzverwaltung erstattet regelmäßig Bericht über alle ihre wesentlichen Tätigkeiten gegenüber dem zuständigen Insolvenzgericht und den Gläubigerausschüssen". (tw)