Die deutsche Finanzaufsicht erhöht die Eigenkapitalvorgaben für Banken deutlich. Für ihre risikogewichteten Vermögenswerte sollen die Institute 0,75 Prozentpunkte zusätzlich vorhalten, für Baufinanzierungen sogar 2,75 Prozentpunkte. Dies beschloss der Ausschuss für Finanzstabilität, dem Vertreter von Bundesfinanzministerium, Bundesbank und der Finanzaufsicht Bafin angehören. Das Gremium aktiviert den sogenannten antizyklischen Kapitalpuffer. Die Geldhäuser müssen damit ab Februar 2023 über die normalen Vorgaben hinaus Eigenkapital bereithalten. Die Banken müssen bis dahin rund 22 Milliarden an zusätzlichem Geld aufbringen.

Als Grund für den Schritt verweisen die Aufseher auf die rasant steigenden Preise am Wohnimmobilienmarkt. Die Bundesbank hatte unlängst vor einer Blase gewarnt. Die Kosten für den Hauskauf lägen im Schnitt zehn bis 30 Prozent über dem von den Fundamentaldaten her gerechtfertigten Niveau, heißt es von der Bundesbank. Angesichts dieser Entwicklung war die Bafin für eine größeren Risikopuffer bei der Kreditvorsorge eingetreten. Zuvor hatte auch die Europäische Zentralbank (EZB) in ihrem Finanzstabilitätsbericht dafür plädiert, dass angesichts der Preisentwicklung bei Wohnimmobilien die deutsche Aufsicht zu "makroprudenziellen Maßnahmen" greife.

"Erhebliche Auswirkungen"
Über die Folgen des Schritts gehen die Meinungen auseinander. Die Bafin spricht davon, dass die meisten Institute die Anforderungen aus dem bestehenden, überschüssigen Kapital heraus stemmen können. Nur wenige Banken müssten zusätzlich Geld beschaffen.

Die Banken und manche Experten sehen das anders. So müssten sich Darlehensnehmer auf höhere Zinsen bei der Baufinanzierung einstellen. Die angekündigten Maßnahmen hätten "erhebliche Auswirkungen" auf die Banken, sagte Hans-Peter Burghof, Finanzprofessor an der Universität Hohenheim, dem "Handelsblatt". "Und die Kunden werden das mittragen müssen".

Schritt "kommt zur Unzeit"
Auch die Banken selbst sehen die Vorgaben naturgemäß kritisch. "Die Aktivierung des antizyklischen Kapitalpuffers auf 0,75 Prozent kommt zur Unzeit", teilte der Dachverband Deutsche Kreditwirtschaft mit. "Die Erhöhung der Kapitalanforderungen auf breiter Front wird die Kreditvergabekapazität der Banken und Sparkassen deutlich einschränken." Die Erholung der deutschen Wirtschaft sei mit hoher Unsicherheit behaftet und bedürfe einer "dynamischen Kreditvergabe", vor allem an Unternehmen.

Als Ursache für die stark gestiegenen Immobilienpreise verweist der Branchenverband auf die extrem expansive Geldpolitik der EZB. Liquiditätsflut und Niedrigzinsen haben klassische Sparformen unattraktiv werden lassen. Die Anleger flüchten daher unter anderem in Betongold. Dementsprechend hält die Bankenlobby auch die Erhöhung des Kapitalpuffers bei Hauskrediten für deplaziert. "Die gewählte Maßnahme trifft undifferenziert jede Wohnimmobilienfinanzierung von Banken und Sparkassen. Dies erhöht das Risiko, dass Finanzierungssuchende in andere, gegebenenfalls weniger stark regulierte Sektoren ausweichen." (ert)