Im Infinus-Betrugsprozess hat sich nach dem Chef auch der Vertriebs-Leiter erstmals vor Gericht geäußert. Kewan K. hat eine gut 70-seitige Erklärung verlesen, in der er berichtete, wie er zu Infinus stieß und welche Aufgaben er hatte. Dies berichtet die Sächsische Zeitung (SZ).

Bis zu seiner Verhaftung Ende 2013 sei er von einem "langfristig tragfähigen" Konzept ausgegangen, "wenn das Einschreiten der Staatsanwaltschaft nicht erfolgt wäre", sagte er der Zeitung zufolge. Zudem will der promovierte Kaufmann nicht viele Interna in Dresden mitbekommen haben. Zum einen sei er nur sporadisch in der sächsischen Landeshauptstadt gewesen. Vor allem aber habe Infinus-Chef Jörg B. maßgeblich bestimmt, wer welche Informationen erhält, sagte er laut der SZ.

K. berichtete zudem, dass er das Unternehmen schon im Jahr 2010 habe verlassen wollen. Er sei aber in den Vorstand einer Vertriebsgesellschaft berufen worden. Im Nachhinein könne er nicht ausschließen, dass sein Weggang so verhindert werden sollte, schreibt die SZ.

Infinus-Chef wies Vorsatz zurück
Der Ex-Manager ist wegen Beihilfe zum gewerbsmäßigen Kapitalanlagebetrug angeklagt. Die Ermittler werfen ihm und den fünf anderen Beschuldigten vor, ein gigantisches Schneeballsystem aufgebaut und betrieben zu haben. Mehr als 40.000 Anleger hatten in Summe rund eine Milliarde Euro in das Firmengeflecht um Infinus und Future Business investiert.

Vor rund zwei Wochen hatte sich bereits Ex-Infinus-Chef Jörg. B. erstmals zu den Vorwürfen geäußert (FONDS professionell ONLINE berichtete). B. betonte gegenüber dem Landgericht Dresden, dass er weder vorsätzlich Anlegergeld veruntreut noch in betrügerischer Absicht gehandelt habe.

Die Eigengeschäfte der Infinus-Gruppe im dreistelligen Millionenbereich seien zwar riskant und retrospektiv betrachtet nicht nachhaltig gewesen; zahlreiche Fachleute hätten ihm aber stets versichert, dass alles zu beherrschen sei, zitierte die SZ damals aus den Statements von Jörg B. (jb)