Einen lieben Angehörigen zu verlieren, ist immer traurig. Die Hinterbliebenen müssen außerdem zahlreiche Angelegenheiten regeln – auf die Erben kommen zusätzlich Pflichten gegenüber dem Finanzamt zu. Dies berichtet die "Süddeutsche Zeitung" (SZ). Dabei geht es nicht allein um die Erbschaftsteuer. Da die Akte des Verstorbenen beim zuständigen Finanzamt geschlossen werden muss, trifft die Angehörigen die Aufgabe, in seinem Namen zumindest eine letzte Steuererklärung einzureichen.

"Angehörige fallen meist aus allen Wolken, wenn sie erfahren, dass sie auch die steuerlichen Pflichten geerbt haben", zitiert die SZ Sigurd Warschkow, Leiter der Lohnsteuerhilfe für Arbeitnehmer in Gladbeck. Doch genauso ist es, denn nach dem Tod eines Angehörigen gehen auf die Erben sämtliche Rechte und Verpflichtungen des Verstorbenen über – auch die, offene Steuersachen zu erledigen.

Es kann zu Erstattungen kommen
Geht die Sache für die Hinterbliebenen positiv aus, bekommen sie vom Fiskus Geld zurück. Schlimmstenfalls müssten sie viele Zehntausend Euro nachzahlen, schreibt die SZ. Dazu könne es vor allem dann kommen, wenn der oder die Verstorbene bereits im Ruhestand war. 

War der Erblasser bis zuletzt berufstätig, sei die bereits einbehaltene Lohnsteuer in der Regel zu hoch angesetzt, berichtet die Zeitung. Ausgaben dürfen gegenrechnet werden. In diesem Fall erwarte die Erben meist eine Steuererstattung. Sofern ein verstorbener Arbeitnehmer Steuern gezahlt hat, aber nicht zur Abgabe einer Erklärung verpflichtet war, sollten Angehörige darüber nachdenken, freiwillig mit dem Finanzamt abzurechnen, rät Experte Warschkow in der SZ. Auch in solchen Fällen ließen sich zu viel gezahlte Summen häufig zurückholen.

Finanzamt kann fehlende Steuererklärungen rückwirkend nachfordern
War der Erblasser zum Zeitpunkt des Todes bereits im Ruhestand, können die Hinterbliebenen hingegen kräftig zur Kasse gebeten werden. Der Grund: Rentner müssen zunehmend Steuern nachzahlen, denn die Rentenversicherung nimmt – im Unterschied zu Arbeitgebern – keinen Lohnsteuerabzug vor, wie die SZ schreibt. Und: Das Finanzamt könne sogar bis zu sieben Jahre rückwirkend fehlende Steuererklärungen nachfordern. 

Stehen mehrere Steuererklärungen aus, sind alte Steuerschulden offen oder tauchen gar verschwiegene Schwarzgeldkonten auf, könnten sich Nachzahlungen leicht auf Tausende Euro belaufen, gibt Warschkow im SZ-Artikel zu bedenken. (am)