Ein heftiger Regenguss verstellt die Sicht auf die Autobahn? Scheibenwischer eingeschaltet, und schon ist alles wieder klar. Im Auto ist der nötige Durchblick schnell hergestellt. Was die Kosten von Fondspolicen angeht, ist es für Versicherungsmakler und ihre Kunden hingegen schwierig, sich eine transparente Übersicht zu verschaffen. Das liegt auch an den Rückvergütungen, die Kapitalverwaltungsgesellschaften (KVGen) Versicherern zukommen lassen. Denn anders als Banken, die von Fondsgesellschaften Kickbacks erhalten, ist die Assekuranz nicht dazu verpflichtet, Rückvergütungen dem Kunden gegenüber offenzulegen. 

"Wenn Banken im Auftrag ihrer Kunden Fonds bei Investmenthäusern beziehen, so handelt es sich dabei um ein Vermittlungsgeschäft", erklärt Thomas Leithoff, Leiter Recht beim Versicherungsmakler Impuls Finanzmanagement in Gersthofen bei Augsburg. Im Fall einer solchen Vermittlung sind die Institute dazu verpflichtet, alle Provisionen auszuweisen. Und das gilt keineswegs erst seit dem Inkrafttreten der ersten EU-Finanzmarktrichtlinie Mifid.

Wichtiger Paragraf
"Für Vermittlungsgeschäfte aller Art greift der Paragraf 667 des Bürgerlichen Gesetzbuches, der die sogenannte Herausgabepflicht regelt", sagt Leithoff. Dieser besagt, dass ein Geschäftspartner, der für einen Auftraggeber tätig wird, alles herauszugeben hat, "was er für die Ausführung des Auftrags erhält". Doch weil sich Banken lange Zeit kaum um die Einhaltung dieser Vorschrift gekümmert haben, war im Jahr 2006 der Bundesgerichtshof (BGH) gefragt. 

Das oberste deutsche Gericht entschied eindeutig, dass Geldinstitute Kickbacks, die sie aus Ausgabeaufschlägen und jährlichen Verwaltungsgebühren erhalten, zwar nicht an den Kunden auskehren müssen, sie haben sie aber offenzulegen. Immerhin können die in Aussicht gestellten Zahlungen den Interessen der Klientel zuwiderlaufen. Das Urteil wurde durch weitere BGH-Entscheidungen verfestigt, zuletzt am 1. August 2014. Hier wurden zum ersten Mal auch Fondsanteile explizit genannt.

Kein Vermittlungsgeschäft
Bei Rückvergütungen, die KVGen an Versicherer zahlen liegt die Sache anders. Versicherungsgesellschaften erwerben Fonds nicht im Auftrag ihrer Kunden, sondern kaufen sie auf eigene Rechnung. Da die Fonds im Besitz der Unternehmen verbleiben, kommt es nicht zu einem Vermittlungsgeschäft. Daher ist auch jedwede Zahlung von Provisionen ausgeschlossen.

"Bei Rückvergütungen, die Investmenthäuser an einen Fondspolicenanbieter zahlen, handelt es sich vielmehr um Kostenvorteile, an denen die Gesellschaften ihre Großeinkäufer teilhaben lassen", erklärt Experte Leithoff. Zu einer Ersparnis bei den Verwaltungskosten kommt es, weil KVGen diese immer mit Blick auf den einzelnen Privatanleger kalkulieren – und natürlich Vertriebsprovisionen einrechnen. Die Assekuranz kauft die Sondervermögen jedoch im großen Stil, was die Vertriebs- und Verwaltungskosten enorm drückt.

Nur zu 50 Prozent
Versicherungsgesellschaften verhandeln regelmäßig mit den Investmenthäusern über eine Beteiligung an dieser Kostenersparnis. Der ausgehandelte Prozentsatz, dessen Größenordnung oft der Höhe der sonst üblichen Bestandsprovision entspricht, fließt in Form von Rückvergütungen an den Versicherer. Dieser verbucht die Zahlungen in der versicherungstechnischen Ertragsrechnung unter dem Posten "Übriges Kostenergebnis". Die Rückvergütungen werden gegen die kalkulierten Kosten gerechnet. Fallen diese dadurch niedriger aus als projektiert, ergibt sich ein Überschuss. 50 Prozent davon haben Fondspolicenanbieter an ihre Kunden weiterzureichen. 

Die andere Hälfte des Kostenüberschusses dürfen Versicherer verwenden, wie sie möchten. Und sie sind keinesfalls dazu verpflichtet, dem Policeninhaber oder dem Vermittler gegenüber offenzulegen, wie hoch die Rückvergütungen ausfallen. Ausweisen müssen sie diese Vergütungen nur gegenüber der Finanzaufsicht Bafin. (am)


Einen ausführlichen Bericht über die Rückvergütungen, die Kapitalverwaltungsgesellschaften an Versicherer für den Bezug von Fonds für ihre Policen zahlen, finden Sie in der neuen Ausgabe 1/2022 von FONDS professionell, die den Abonnenten in wenigen Tagen zugestellt wird.