Seit wenigen Tagen befindet sich das Kleinanlegerschutzgesetz zur Beratung im Bundestag. Der Bundesrat hat zum Gesetzentwurf bereits Stellung genommen und fordert Änderungen zugunsten der Anbieter (FONDS professionell ONLINE berichtete). Guido Sandler, Gründer und Vorstand der Bergfürst Bank in Berlin, kritisiert das Gesetz. Er fordert eine strenge Regulierung von Schwarmfinanzierungen (Crowdinvestments).

Die Bundesregierung hat das Kleinanlegerschutzgesetz im Bundestag eingebracht. Was halten Sie von dem Gesetzentwurf?

Dr. Guido Sandler: Das Gesetz ist Aktionismus und geht am Ziel vollkommen vorbei. Das Problem ist, dass der Verbraucherschutz im Moment dominant ist.

Wie meinen Sie das?

Sandler: Einerseits gibt die Politik vor, sich um alles für die Bürger zu kümmern. Dabei entmündigt sie die Bürger. Andererseits wir das Kleinanlegerschutzgesetz den Verbraucherschutz nicht erhöhen.

Warum gefällt Ihnen das geplante Gesetz nicht?

Sandler: Künftig sind zwar auch partiarische Darlehen, Nachrangdarlehen und sonstige verzinsliche Anlagen sogenannte Vermögensanlagen. Das Vermögensanlagegesetz greift aber bei der Regulierung dieser Produkte viel zu kurz, weil es in erster Linie Pflichten zu den Verkaufsunterlagen und Werbemitteln und zur Werbung beinhaltet. Die Produkte und Anbieter bleiben weitgehend unreguliert. Außerdem sind zahlreiche Ausnahmen vorgesehen, die den Grundgedanken der Regulierung aushöhlen.

Davon profitieren aber auch die Schwarmfinanzierungen und der heranwachsende Crowdinvesting-Markt. Finden Sie das nicht gut?

Sandler: Nein, das Kleinanlegerschutzgesetz passt nicht zu diesem groß gewordenen Thema und regelt die falschen Dinge. Die Freiheiten für die Anbieter der partiarischen Darlehen und Nachrangdarlehen und für die Internetplattformen ermöglichen, dass ahnungslose Anleger ungeprüfte Investitionen tätigen, die ihre Versprechen sehr oft nicht halten können werden. In den Systemen der Plattformen stecken dramatische Webfehler, die Schaden verursachen werden. Uns betrifft das Kleinanlegerschutzgesetz als Bank aber nicht.

Das klingt nach Systemfehlern. Welche sehen Sie da?

Sandler: Zum Beispiel müssen die Crowdinvesting-Plattformen Businesspläne der geldsuchenden Unternehmen weder prüfen noch veröffentlichen. Auch Mittelverwendungspläne werden nicht publik gemacht und eine Mittelverwendungskontrolle findet gar nicht statt. Nach meiner Ansicht müssen die Prozesse im Crowdinvesting genauso wie bei den Investmentprofis ablaufen.

Wie soll denn Ihrer Meinung nach die Regulierung für die Vermögensanlagen aussehen?

Sandler: Das Kreditwesengesetz und das Wertpapierhandelsgesetz bilden eigentlich den optimalen rechtlichen Rahmen. Ich glaube deshalb, dass das Kleinanlegerschutzgesetz nur der Anfang der Regulierung ist.

Das sagen Sie jetzt nur, weil Sie als Bank nicht von den Freiheiten profitieren!

Sandler: Nein! Es war unser strategischer Entschluss, uns der Regulierung zu unterwerfen. Wir sind von vornherein davon ausgegangen, dass das Thema Crowdinvesting an Bedeutung gewinnt. Damit ist klar, dass auch dieses Geschäftsfeld, nicht zuletzt aus Wettbewerbsgründen, reguliert werden muss. Und wir wollen mit dem jungen Crowdinvesting-Markt sorgfältig umgehen , damit eben kein Schaden entsteht. Wir bilden den Investmentprozess von Profis wie Business Angels und Beteiligungsgesellschaften massentauglich ab: Der durch die BaFin gebilligte Wertpapierprospekt ist das Equivalent zur Due Dilligence. Wir veröffentlichen dann die Wertpapierprospekte, Gutachten und Geschäftsberichte. Während der Laufzeit bekommen die Investoren Quartalsberichte, Ad Hoc Mitteilungen und Geschäftsberichte. Wir wollen – anders als andere Internetplattformen – maximale Transparenz liefern.

Sie bieten seit einiger Zeit nicht mehr Crowd-, sondern Neo-Investing an. Was bedeutet das?

Sandler: Der Begriff Crowdinvesting wird mittlerweile primär im Zusammenhang mit partiarischen Nachrangdarlehen, also de facto der Platzierung von rückzahlbaren Kreditprodukten verwendet. Wir sind aber der einzige Anbieter, der echte Eigenkapitalbeteiligungen anbieten darf. Anleger erwerben ein etabliertes Produkt, den „IPO-Light“, das bedeutet Beteiligungen in Form von Aktien, die nach der Platzierung auf unserem Sekundärmarkt gehandelt werden können.

Insgesamt klingt das eher wenig ermutigend. Soll man von Crowdinvestments die Finger lassen?

Sandler: Crowdinvesting ist volkswirtschaftlich betrachtet extrem wertvoll und bietet den Privatanlegern sinnvolle Investitionsmöglichkeiten. Das Thema und der Markt benötigen aber mehr Professionalität.

Danke für das Gespräch. (ae)