Verbraucherschützer kritisieren, dass Banken einen Girokontovergleich und damit einen möglichen Wechsel zu einem anderen Institut erschweren. Viele wichtige Angaben, insbesondere die Gebühreninformationen, finden sich erst nach längerer Suche im Kleingedruckten der entsprechenden Dokumente, berichtet die "Süddeutsche Zeitung" (SZ) unter Berufung auf eine Untersuchung der Verbraucherzentrale Bundesverbands (VZBV). Die Deutsche Kreditwirtschaft als Vertretung der Banken hat dazu nach Angaben der SZ am Mittwoch (4.11) zunächst nicht Stellung bezogen. 

Dabei sollte ein vor zwei Jahren verabschiedetes EU-Gesetz einen Bankwechsel erleichtern. Dieses Zahlungskontengesetz schreibt laut der SZ vier Instrumente für einen einfachen Wechsel vor: Eine gesetzliche Kontowechselhilfe, eine zertifizierte Vergleichswebsite, eine jährliche Aufstellung über alle Kosten des bestehenden Girokontos – und die Pflicht für Banken, schon vor dem Vertragsabschluss online wie offline über die Kosten der Kontoführung zu informieren. Die Umsetzung der zuletzt genannten Vorschrift hat der VZBV unter die Lupe genommen.

Seitenlange Dokumente
Die Verbraucherschützer haben der Zeitung zufolge die Entgeltinformationen von 50 Banken analysiert. Das Ergebnis: Bis zu 14 Seiten lange Dokumente für die Gebühren eines einzigen Kontomodells, inklusive unübersichtlicher Querverweise auf Fußnoten und Angaben, die an anderer Stelle hätten stehen müssen. Zudem waren die Dokumente nicht einheitlich aufgebaut. "Wir waren überrascht, wie unterschiedlich die Dokumente aussehen und wie sehr dadurch die Vergleichbarkeit erschwert wird", zitiert die SZ Heiko Fürst, Finanzmarktexperte beim VZBV. 

Ein einfacher Preisvergleich scheitere nach Angaben der Verbraucherschützer oft schon einen Schritt vorher. Der Dachverband hat eine Umfrage zur Entgeltaufstellung gemacht, die das Zahlungskontengesetz ebenfalls fordert und in der alle mit den Girokonten verbundenen Kosten der vergangenen zwölf Monate aufgelistet sein müssen. Hier kam heraus, dass bis Juli des laufenden Jahres nur 36 Prozent der Befragten schon einmal eine solche Übersicht zu den Gebühren von ihrer Bank erhalten haben. 43 Prozent bekamen demnach keine Post, 22 Prozent waren sich nicht sicher. "Das Problem bei diesem Instrument ist, dass die Banken die gesetzliche Vorgabe unterschiedlich interpretieren", so Fürst weiter. Im Gesetz heiße es, die Banken müssten den Kunden die Auflistung "zur Verfügung stellen". Davon, dass sie dies von sich aus ohne Aufforderung tun müssen, sei nicht die Rede.

Kritik an Check24
Eine weitere Vorschrift aus dem Zahlungskontengesetz ist die zertifizierte Vergleichswebsite. Diese ist zwar seit knapp drei Monaten online, Verbraucherschützer kritisieren hier aber, dass mit Check24 ein kommerzieller Anbieter die Seite betreibt. Zudem decke der Vergleich nicht genügend Banken und Kontomodelle ab. Check24 hat die Vorwürfe abgeschmettert und auf die Zertifizierung durch den TÜV verwiesen. (jb)