Das Münchner Landgericht hat einen Spekulanten wegen krimineller Aktienkursmanipulation zu drei Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt. Der 42 Jahre alte Deutsch-Brite war geständig und nahm das Urteil am Mittwoch (17. Juni) an. Rechtsmittel kann der Mann nun nicht mehr einlegen, wie das "Handelsblatt" schreibt. Ihm werde die in Indonesien unter menschenunwürdigen Umständen verbrachte Auslieferungshaft zu einem Drittel angerechnet.

Der nach Angaben der Wirtschaftszeitung mittlerweile "geläuterte" Mann hatte 2007 eine geschäftslose Aktiengesellschaft namens Curcas Oil gegründet. Sein Ziel war, deren Kurse unter tatkräftiger Mithilfe diverser Börsenbrief-Ratgeber systematisch in die Höhe zu treiben und dann durch den Verkauf seiner Aktien Gewinne zu machen. Unterm Strich "verdiente" er nach den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft so eine sechsstellige Summe. Der Vorsitzende Richter am Landgericht sprach dem Handelsblatt zufolge von einem "hohen Maß an krimineller Energie", da die verbotene Kursmanipulation großen Aufwand erforderte und über mehrere Jahre vorbereitet wurde.

Kein Geld mehr übrig
Der 42-Jährige hatte dabei Verbindungen zu einem Netzwerk von Zockern unterhalten, die mit Kursmanipulationen Millionen Euro eingenommen hatten, heißt es weiter. Die Münchner Staatsanwaltschaft hatte vor einem Jahrzehnt zeitweilig gegen gut 30 Beschuldigte ermittelt. Mehrere andere Beteiligte wurden schon vor Jahren verurteilt, darunter ein ehedem prominenter TV-Börsenexperte. Dieser Komplize habe laut der Zeitung in seinem Börsenbrief als neutrale Empfehlungen getarnte Reklamebotschaften veröffentlicht, die er sich gut bezahlen ließ.

Der Prozess gegen den in Wembley geborenen Mann startete mit Verzögerung, da er geflüchtet war. Er lebte zeitweise in Singapur und wurde erst 2016 auf Bali gefasst. Auf der Ferieninsel verbrachte er 15 Monate in Untersuchungshaft. Vom seinem Wohlstand sei ihm nichts geblieben. Das Gericht hatte keine Zweifel, dass der Mann auf Millionenschulden sitzt. Auch die Läuterung nahmen ihm die Richter ab: "Ich glaube, dass hier heute ein Anderer sitzt als zum Zeitpunkt der Taten", zitiert das Handelsblatt den Vorsitzenden Richter. (jb)