Tom Hayes, der rund die Hälfte seiner elfjährigen Haftstrafe verbüßt hat, wurde am vergangenen Freitag (29.01.) von seiner Frau und seinem Sohn in Empfang genommen, nachdem er ein Gefängnis mit minimaler Sicherheitsstufe südlich von London verlassen hatte. Der 41-Jährige war der prominenteste Verurteilte im Manipulationsskandal um den Londoner Interbanken-Zinssatz Libor vor einem Jahrzehnt. "Nach traumatischen fünfeinhalb Jahren in Haft und zweieinhalb Jahren auf Kaution ist meine achtjährige Tortur in Großbritannien fast vorbei", sagte Hayes in einer Erklärung.

Hayes wurde 2015 nach einem zweimonatigen Prozess in London verurteilt, in dem er für schuldig befunden wurde, gemeinsam mit anderen Händlern und Brokern den Libor manipuliert zu haben, um seinen eigenen Handelspositionen unter die Arme zu greifen. Er war von 2006 bis 2009 ein Star bei der UBS in Tokio, ehe er zur Citigroup wechselte. Nach nicht einmal einem Jahr wurde er von der US-Bank wieder entlassen, als sich der Libor-Skandal ausweitete.

Während seiner Zeit im Gefängnis nutzte Hayes ein Work-Release-Programm, um einen Job als Assistent bei Dando Drilling International, einem britischen Hersteller von Bohrgeräten, zu bekommen. Er half bei der Buchhaltung, den Computersystemen und dem Devisenhandel der Firma, erklärte Dando-Projektmanagerin Jacquie Jones. "Die Mitarbeiter nahmen ihn an, er war sehr hilfsbereit", sagte sie in einem Telefoninterview. (mb/Bloomberg)