Das Landgericht Essen hat einen Anlageberater zu Schadenersatz in Höhe von knapp zwei Millionen Euro an neun Anleger verurteilt. Er hatte ihnen Anteile an den geschlossenen Beteiligungen Lombard Classic 2 und Lombard Classic 3 vermittelt. Das Gericht fällte im Juni und Juli dieses Jahres insgesamt zwei entsprechende Entscheide, wie Rechtsanwalt Thomas Meschede von MZS Rechtsanwälte Düsseldorf in einer Pressemitteilung schreibt. Die Urteile sind aber noch nicht rechtskräftig, der Berater hat zudem bereits Berufung eingereicht.

Das Gericht begründete sein Urteil laut der Mitteilung damit, dass der Berater die Beteiligungen, die 2011 und 2013 starteten, als sicher und risikolos zum Kauf angeboten hatte – obgleich die Konstruktionen der Produkte sehr komplex, risikoreich und missbrauchsanfällig gewesen seien. Im Kern geht es darum, dass beide Fonds das Geld ihrer Anleger als Kredite an das Hamburger Pfandleihhaus Lombardium weitergegeben haben. Dieses wiederum vergab Darlehen an Privatleute, wobei Luxus-Pfandgegenstände wie Uhren, Schmuck oder Oldtimer als Sicherheit dienen.

Staatsanwaltschaft Hamburg schaltete sich ein
Allerdings gab es nach übereinstimmenden Medienberichten erhebliche Ungereimtheiten bei den Lombardgeschäften. Die Pfandgegenstände sollen tatsächlich nur einen Bruchteil dessen wert sein, was die Treuhänder der Fonds angegeben hatten. Zudem gab es personelle Verflechtungen zwischen den Beteiligungsgesellschaften hinter den Fonds und dem Pfandhaus. Beide Fonds sind mittlerweile insolvent, beim Lombard Classic 3 sollen Anlagegelder von 50 Millionen Euro mageren Vermögensgegenständen im Wert von maximal fünf Millionen Euro gegenüberstehen. Daher befasst sich auch die Staatsanwaltschaft Hamburg mit dem Fall. 

"Die besonderen Risikotatbestände scheinen vielen Anlageberatern nicht bewusst gewesen zu sein. Anders ist die Empfehlung der Beteiligungen als 'absolut risikolos' kaum zu erklären", schreibt Anwalt Meschede. Denn es gelte: Berater, die sich auf die irreführenden Angaben des Anbieters zur Sicherheit der Anlage in den zur Verfügung gestellten Werbeunterlagen ungeprüft verlassen haben, haften dem Anleger gegenüber auf Schadensersatz. "Schließlich ist der Anlageberater dazu verpflichtet, eine Anlage, die er zum Kauf empfiehlt, auf ihre Risiken hin zu prüfen", erläutert Meschede. (jb)