Malte Hartwieg muss sich offenbar auf einen umfangreichen Prozess einstellen. Die Staatsanwaltschaft München ermittelt seit 2014 gegen den ehemaligen Fondsinitiator und Gründer der auf geschlossene Beteiligungen spezialisierten Vertriebsplattform Dima24. Die Fahnder glauben mittlerweile, beweisen zu können, dass er zusammen mit einem Geschäftspartner Tausende deutsche Anleger geprellt hat – "auf Grundlage eines gemeinsamen Tatplanes", wie "Die Welt" berichtet. Die Ermittlungen jedenfalls laufen aufgrund des Verdachts auf Betrug, Untreue und Geldwäsche auf Hochtouren, so die Zeitung, der nach eigenen Angaben der Ermittlungsbericht vorliegt.

Hartwieg selbst ist sich keiner Schuld daran bewusst, dass Anleger rund 300 Millionen Euro verloren haben. In einem Interview mit der "Welt", die ihn in Ungarn ausfindig gemacht hat, sagt er, dass weder seine Frau noch er Anlegergelder aus Deutschland mitgenommen haben. Er wolle sich den Anschuldigungen dennoch bis zur letzten Konsequenz stellen. "Ich bin auch bereit, ins Gefängnis zu gehen." Hartwieg fordert aber ein faires Verfahren, ihm müsse bewiesen werden, dass er etwas Schlechtes gemacht habe. 

Kunden wussten Bescheid
In dem Gespräch betont Hartwieg, der nach eigenen Angaben nicht vor den Strafermittlern geflüchtet, sondern zuletzt auf Mallorca gelebt habe und dort auch gemeldet gewesen sei, seine Rolle als reiner Geldeinsammler. Die Aufgabe seines Geschäftspartners sei die gewinnbringende Anlage dieser Gelder gewesen. Daher wisse auch nur dieser, wo das Geld geblieben ist.

Der Finanzjongleur hat zudem Stellung zu dem Vorwurf bezogen, dass er tief in die Kiste mit Verkaufstricks gegriffen habe, ohne die Kunden ausreichend über die mit den Produkten verbundenen Risiken zu informieren. "Die gleichen Leute waren damals bereit, einem Fremden am Telefon ihr Geld hinterher zu werfen. Natürlich haben wir in Werbebriefen hochkomplexe Finanzstrukturen vereinfacht dargestellt. In den verbindlichen Prospekten aber waren alle Risiken benannt: Hohes Risiko bis zum Totalverlust", so Hartwieg. Seine Schlussfolgerung: Man habe nichts verschwiegen.

Komplexes Firmenimperium
Das Firmengeflecht von Hartwieg gilt als schwer zu durchschauen. Er selbst war bei vielen Fonds sowohl Initiator als auch, via Dima24, die Vertriebstelle. Das klappte eine Zeit lang gut. Vor rund drei Jahren ging das Firmenimperium in die Brüche.

So hatten alleine 2015 acht Firmen der von Hartwieg kontrollierten Unternehmensgruppe NCI New Capital Invest Insolvenz angemeldet. Diese Firmen sollten das Geld unter anderem in eine ominöse "Dynasty Oil Company" in Texas und in Bio-Energie-Projekte in den Vereinigten Arabischen Emiraten investiert haben. Auch Investments von Hartwiegs Euro Grundinvest Gruppe (EGI), die in Immobilien investierte, sind in finanzielle Schieflage geraten und bescherten Anlegern hohe Verluste.

Die Ermittler glauben aber, dass die Verluste nicht durch rein wirtschaftliche Probleme bei der Anlage entstanden. Vielmehr sollen Gelder gar nicht erst in die angegebenen Objekte geflossen sein. Tatsächlich sollen Hartwieg und der Geschäftspartner mit Hilfe von Mittelsmännern Millionen in die eigenen Taschen abgezweigt haben. Laut Staatsanwaltschaft besteht "der dringende Verdacht, dass die Beschuldigten hierbei handelten, um sich aus der wiederholten Tatbegehung eine Einnahmequelle von einiger Dauer und nicht unerheblichem Umfang zu verschaffen". (jb)