Türkische Behörden ermitteln wegen eines Manipulationsskandals an der Börse. Aufgrund von Unregelmäßigkeiten sei unter anderem das Vermögen von 42 natürlichen und 46 juristischen Personen eingefroren worden, teilte das türkische Justizministerium am Samstagabend (26.9.) im Netzwerk "X" mit.

Zuvor waren mindestens 45 Personen verhaftet worden, darunter Führungskräfte von Investmentfirmen. Entsprechende Berichte der Nachrichtenagentur "dpa" hat das "Handelsblatt" aufgegriffen. Demnach geht die Istanbuler Staatsanwaltschaft unter anderem dem Verdacht auf Betrug, Verstöße gegen das Kapitalmarktgesetz und Gründung einer kriminellen Vereinigung nach.

131 Fonds im Fokus
Im Zentrum des Skandals, der die Türkei seit Mitte September erschüttert, stehen 131 Investmentfonds, die nun von der türkischen Kapitalmarktbehörde SPK liquidiert werden. Ermittelt wird den Berichten zufolge, ob die Fondsbewertungen künstlich aufgebläht wurden. Betroffen sind mehr als 455.000 Investoren, darunter zahlreiche Kleinanleger, wie unter anderem die Nachrichtenagentur "Bloomberg" berichtet. Wegen der massiven Inflation in der Türkei investieren viele Menschen ihr Erspartes in Aktien, in der Hoffnung, es so gegen den Werteverlust zu schützen.

Rücktritt der stellvertretenden AKP-Vorsitzenden
Die Krise hat auch die Führung der regierenden Partei AKP erreicht, wie "Bloomberg" weiter berichtet. Die stellvertretende Vorsitzende Fatma Betül Sayan Kaya legte ihr Parteiamt nieder, nachdem die Opposition Vorwürfe wegen Aktiengeschäften erhoben hatte, an denen sie und ihr Ehemann beteiligt waren. Ziel sei es, eine Untersuchung der Vorwürfe zu ermöglichen, ohne dass ihre Position zum Gegenstand der Auseinandersetzung werde. (jb)