Mark Branson, der Chef der Schweizer Finanzmarktaufsicht Finma, wird neuer Präsident der deutschen Finanzaufsicht Bafin. Der 52-jährige Brite soll den Posten Medienberichten zufolge spätestens zum 1. August antreten, falls möglich aber früher.

"Ich bin hocherfreut, dass es uns gelungen ist, mit Mark Branson einen erfahrenen, international hoch anerkannten Fachmann für die deutsche Finanzaufsicht zu gewinnen", sagte Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD). "Mit ihm an der Spitze wollen wir die Reform der Bafin fortsetzen, damit die Finanzaufsicht mehr Biss erhält."

Mathematiker mit doppelter Staatsbürgerschaft
Branson arbeitet seit 2010 für die Finma, seit 2014 als deren Direktor. Vor seinem Topjob bei der eidgenössischen Aufsichtsbehörde hatte der Mathematiker, der neben der britischen auch die schweizerische Staatsangehörigkeit besitzt, unter anderem für die Großbank UBS gearbeitet. Er war nicht nur in Zürich tätig, sondern auch in London und Tokio.

Noch vor wenigen Tagen hatte es Meldungen gegeben, die Suche nach einem neuen Bafin-Chef gestalte sich schwierig. Nun wurden Scholz und sein zuständiger Staatssekretär Jörg Kukies offensichtlich doch vergleichsweise rasch fündig.

Aus dem "schlafenden Riesen" soll ein "starker Wächter" werden
Der bisherige Bafin-Chef Felix Hufeld hatte sein Amt im Zuge des Wirecard-Skandals räumen müssen. Offiziell verlässt er die Behörde zum Monatsende. Auch Hufelds Stellvertreterin Elisabeth Roegele stellte ihren Posten zur Verfügung. Sie bleibt noch bis Ende April bei der Bundesanstalt. Der Finanzaufsicht wird vorgeworfen, bei dem Zahlungsdienstleister, der in einen gigantischen mutmaßlichen Betrug verstrickt ist, nicht genau genug hingesehen zu haben.

Gerhard Schick, der Vorstand der Bürgerbewegung "Finanzwende", findet lobende Worte für die Nachbesetzung: "Hut ab! Da haben Olaf Scholz und Jörg Kukies einen erfahrenen Fachmann gewinnen können. Es ist gut, dass Herr Branson von außen kommt und Probleme lautstark thematisieren sowie engagiert angehen kann." Allerdings liege vor Branson auch ein Mammutprojekt, so Schick. "Er muss den oftmals schlafenden Riesen Bafin zu einem starken Wächter über die Finanzmärkte wandeln." Dazu müssten grundlegende Reformen umgesetzt werden, für die Branson klare Rückendeckung aus Berlin brauche. "Sonst wird das nicht gelingen." (bm)