Gemessen an der Bilanzsumme ist die Frankfurter Sparkasse (Fraspa) die viertgrößte deutsche Sparkasse. Als Leiter der "Zentralen Stelle für Beauftragtenwesen" war Thorsten Haus mit vielen Themen rund um die Umsetzung der EU-Finanzmarktrichtlinie Mifid II betraut. Im Gespräch mit FONDS professionell ONLINE zieht er wenige Wochen nach der Einführung zum 3. Januar ein erstes Zwischenfazit.


Herr Haus, vor rund zwei Monaten lief Mifid II an – reichlich holprig. Für viele Fonds und andere Wertpapiere fehlten wichtige Daten, auf die der Vertrieb angewiesen ist. Waren davon auch Ihre Kollegen in der Anlageberatung betroffen?

Thorsten Haus: Die ersten Wochen waren schwierig. Bei einigen Produkten waren die Zielmarkt-Felder falsch oder gar nicht ausgefüllt, zum Teil fehlten auch die Angaben für den Kostenausweis. Probleme gab es zudem wegen fehlender Basisinformationsblätter, die die PRIIPs-Verordnung für bestimmte Anlageprodukte vorschreibt. Hier haperte es zunächst bei der technischen Bereitstellung.

Was bedeutete das für die Praxis?

Haus: Einige Kunden konnten beispielsweise das gewünschte Wertpapier online nicht ordern, sie mussten sich an ihren Berater wenden. Dem war es mit einiger Handarbeit meistens möglich, die entsprechende Order dann doch auf den Weg zu bringen.

Sind die Probleme inzwischen denn behoben?

Haus: Noch nicht restlos, aber jetzt läuft das Ganze deutlich stabiler als noch vor wenigen Wochen. Wenn man bedenkt, dass einige wichtige Vorgaben erst im vierten Quartal 2017 veröffentlicht wurden, ist es nicht erstaunlich, dass der Start nicht völlig reibungslos verlief. Inzwischen haben sich die Abläufe aber eingespielt.

Die Mifid-II-Umsetzung war für die Branche ein Kraftakt. Wie viele Mitarbeiter waren in Ihrem Institut damit betraut?

Haus: Das lässt sich schwer beziffern. Es gab ein Kernteam, aber vieles fand auch in parallel laufenden Projekten statt. Einige Kollegen haben sich mit dem Thema Sprachaufzeichnung beschäftigt, andere mit den Produktüberwachungspflichten – Mifid II hat ja viele Aspekte. Zeitweise war eine hohe zweistellige Zahl von Mitarbeitern mit der Umsetzung betraut.

Obwohl es Unterstützung durch zentrale Dienstleister wie die Deka und den Sparkassenverband DSGV gab?

Haus: Bei vielen Punkten konnten wir in der Tat auf die Hilfe aus der Sparkassen-Gruppe bauen. Neben der Deka war das insbesondere der IT-Dienstleister Finanz Informatik. Außerdem administriert die DWP Bank unsere Wertpapierdepots. Um die Feinjustierung der neuen Prozesse kümmert sich aber natürlich jede Sparkasse selbst, beispielsweise um die Frage, wie ein Produkt eingeführt wird und letztlich zum Kunden kommt oder wie die Telefonaufzeichnung umzusetzen ist. Viele interne Prozesse mussten angepasst werden. Hinzu kommt die Schulung der Mitarbeiter.

Gibt es für die Telefonaufzeichnung kein zentrales Angebot für alle Institute?

Haus: Doch, es gibt mehrere Optionen. Wir nutzen ein Zusatzmodul für OSPlus, unser Kernbankensystem. Dabei kam uns zugute, dass unsere Telefonanlage bereits dafür ausgelegt ist. Ein solches System muss in jedem Institut eingerichtet werden.

Welche Rückmeldungen bekommen Sie denn von den Beratern? Was halten sie von Mifid II?

Haus: Sie bekommen den Unmut der Kunden zu spüren. Die fragen sich, warum der Beratungsprozess noch länger dauert und am Ende noch mehr Papier anfällt. Die Anlageberatung ist unter dem Strich deutlich komplexer und mühsamer geworden. Das Ziel von Mifid II – ein besserer Verbraucherschutz – ist richtig. Ich kann aber jeden verstehen, der von einem unnötigen Bürokratiemonster spricht. Wo der ganz konkrete Nutzen für den Kunden liegen soll, ist für mich jedenfalls schwer zu erkennen.

Um welche Zeitspanne haben sich die Beratungsgespräche denn verlängert?

Haus: Das lässt sich nach einer so kurzen Zeit noch nicht verallgemeinern. Insbesondere in den ersten Wochen galt es, viel Aufklärungsarbeit zu leisten. Das wird sich mit der Zeit einpendeln. Klar ist aber, dass die Gespräche auf keinen Fall kürzer dauern als früher.

Als echter Einschnitt gilt der Ex-ante-Kostenausweis, mit dem einem Kunden in aller Deutlichkeit vorgerechnet wird, was sein Investment ihn über die kommenden Jahre in Euro und Cent kosten dürfte. Wie haben die Anleger darauf reagiert?

Haus: Die Kunden waren nicht sonderlich überrascht. Wir haben die Kosten auch vor Mifid II schon sehr transparent offengelegt. Egal ob in der Filiale oder im Private Banking: Unsere Kunden wissen, dass sie bei uns eine professionelle Dienstleistung erhalten, für die wir letztlich auch vergütet werden. Unsere Berater gehen dieses Thema durchaus mit breiter Brust an. Wir haben mit dieser Transparenz kein Problem.

Sorgt die prominente Darstellung der Kosten denn für Änderungen im Produktmix? Bieten Sie beispielsweise verstärkt günstige Fonds und Wertpapiere an?

Haus: Nein, unsere Produktpalette Anfang 2018 ist ähnlich ausgestaltet wie die Ende 2017. Weder am Angebot noch an der Nachfrage hat sich durch Mifid II bislang etwas geändert. Ich sehe auch keinen Trend, der in eine bestimmte Richtung weisen würde.

Mussten Sie wegen Mifid II Ihren Produktauswahlprozess umstellen?

Haus: Wir hatten unseren Product-Governance-Prozess schon in den Jahren 2011/2012 neu aufgestellt. Dieser Prozess entsprach in vielen Punkten bereits dem, was die Richtlinie nun fordert. Wir setzen uns schon lange umfassend mit vielen Aspekten rund um das Produkt, die Kosten, das Risiko und den Emittenten auseinander. Deshalb waren in unserem Produktauswahlprozess nur an einigen Stellen kleine Änderungen nötig.

Vielen Dank für das Gespräch. (bm)