Die EU-Finanzmarktrichtlinie Mifid II kann eine bislang kaum beachtete Auswirkung auf das Rechnungswesen von Banken und Finanzdienstleistern haben: Ab dem Jahr 2018, wenn das neue Regelwerk in Kraft tritt, fällt auf Provisionen womöglich Umsatzsteuer an – oder zumindest auf einen Teil davon.

Bislang gilt eine Bestandsprovision, die ein Fondsanbieter an seine Vertriebspartner auszahlt, als nachgelagerte Vermittlungsprovision. Weil die Vermittlung von Finanzprodukten von der Umsatzsteuer befreit ist, fällt derzeit weder auf Abschluss- noch auf Bestandsprovisionen Umsatzsteuer an. Doch das könnte sich ändern, denn unter Mifid II wird es kaum noch gelingen, eine Bestandscourtage als nachgelagerte Vermittlungsprovision zu betrachten. Damit wankt der Steuervorteil.

"Branche muss sich auf Umsatzsteuer einstellen"
Hintergrund: Für die provisionsbasierte Anlageberatung baut Mifid II hohe Hürden auf. Zuwendungen sind nur hoch dann zulässig, wenn der Kunde im Gegenzug eine qualitätssteigernde Dienstleistung erhält. Eine laufende Provision muss mit einer dauerhaften Dienstleistung gerechtfertigt werden.

"Ab dem Jahr 2018 kann eine Bestandsprovision nicht mehr ausschließlich für die Vermittlung eines Finanzproduktes fließen. Von der Umsatzsteuer befreit ist aber nur die reine Vermittlung", so Christian Waigel, Partner der Kanzlei Waigel Rechtsanwälte aus München, gegenüber FONDS professionell ONLINE. "Die Branche muss sich daher darauf einstellen, künftig auf einen Teil der Provisionen Umsatzsteuer zu zahlen. Denn ich gehe nicht davon aus, dass die Bundesregierung wegen Mifid II das Umsatzsteuergesetz ändern wird."

Steuernachteil der Honorarberater könnte verschwinden
Dienstleistungen wie Vermögensverwaltung und Anlageberatung unterliegen schon heute der Umsatzsteuer. Honorarberater beklagen deshalb einen Wettbewerbsnachteil gegenüber der provisionsbasieren Beratung: Damit beim Berater unter dem Strich das gleiche Geld ankommt, muss der Kunde eines Honorarberaters 19 Prozent mehr zahlen als beim Provisionsvermittler. Dieser Steuernachteil könnte künftig zumindest zum Teil verschwinden. (bm)