Fünf Spalten und neun Kategorien – eine schlichte Tabellenkalkulation wird künftig zum zentralen Dokument für Europas Finanzdienstleistungsbranche. Bei dem betreffenden Excel-Sheet handelt es sich um das sogannte "European Mifid Template", kurz: EMT. Darin definiert eine Kapitalverwaltungsgesellschaft künftig neben Zielmärkten auch alle Kostenbestandteile ihrer Fonds. Wenn am 3. Januar 2018 das Zweite Finanzmarktnovellierungsgesetz, die nationale Umsetzung von Mifid II, in Kraft tritt, werden diese enorm wichtig.

18 Felder im EMT sind allein den Kosten gewidmet, was schon darauf hindeutet, wie komplex dieses Thema ist. Banken brauchen die Angaben, um damit den neuen Kostenausweis zu erstellen. Weil künftig mehr Transparenz herrschen soll, müssen sie dem Kunden auf Euro und Cent genau vorrechnen, was er für sein Investment de facto zu zahlen hat – inklusive Depotentgelt, Provision beziehungsweise Honorar und Fondskosten. Dies hat nicht nur jährlich im Rückblick (ex post) zu erfolgen, sondern sogar bereits vor Abschluss des Geschäfts (ex ante)

Vorausberechnung kaum möglich
Problematisch ist vor allem die Berechnung der Transaktionskosten, die zwingend in den Ex-ante-Kostenausweis einfließen müssen. Diese im Voraus zu ermitteln, ist im Grunde gar nicht möglich – schließlich weiß kein Fondsmanager, wie oft er in den kommenden zwölf Monaten sein Portfolio anpassen wird. Daher müssen Schätzmethoden herangezogen werden, und die sind tückisch.

Die EU-Wertpapieraufsicht ESMA hat für Fonds, die länger als drei Jahre am Markt sind, die sogenannte "Arrival Price"-Methode empfohlen. Dabei wird die Differenz des tatsächlichen Kaufpreises zum Eröffnungskurs eines Wertpapiers errechnet. Würde ein Fondsmanager beispielsweise an einem Nachmittag eine Aktie für 15,30 Euro kaufen, die morgens zu 15 Euro in den Handel gegangen ist, werden 30 Cent Transaktionskosten veranschlagt. Mit den realen Handelskosten hat das meist nichts zu tun, zumal auch negative Transaktionskosten denkbar sind (lesen Sie hierzu auch den Kommentar von FONDS professionell-Chefredakteur Bernd Mikosch "Mifid-II-Kostenausweis: Absurd statt transparent").

Vergleichbarkeit mit PRIIP-Produkten
Die ESMA rät dennoch dazu, die "Arrival-Price"-Methode anzuwenden. Der Grund: Am 1. Januar 2018 tritt die Verordnung über verpackte Anlage- und Versicherungsprodukte (PRIIP) in Kraft. Auch für PRIIP-Produkte wie Fondspolicen ist eine Ex-ante-Kostenberechnung vorgesehen. Für die Vorausberechnung der Transaktionskosten von Fonds in Policen, die älter als drei Jahre sind, hat der europäische Gesetzgeber das "Arrival Price"-Verfahren sogar zwingend vorgeschrieben. Um eine Vergleichbarkeit von Publikumsfonds und PRIIP-Instrumenten zu gewährleisten, empfiehlt die ESMA, die realitätsferne Methode für die Transaktionskostenberechnung auch auf alle Produkte anzuwenden, deren Vertrieb durch Mifid II geregelt wird.

Doch damit noch nicht genug: Die europäische Aufsicht rät zwar zur Anwendung der "Arrival Price"-Methode für Fonds – das Verfahren ist aber nicht verpflichtend. Fondsanbieter dürfen die Ex-ante-Transaktionskosten auch auf jedwede andere Weise errechnen. Und: Eine Angabe, nach welcher Methode die Berechnung durchgeführt wurde, ist nicht vorgeschrieben. Damit werden die Fondskosten unter Mifid II kaum transparenter und besser vergleichbar sein als heute. (am)


Ein 13-seitiges Spezial zur Mifid-II-Umsetzung finden Sie in der Heftausgabe 03/2017 von FONDS professionell, die Ende September erschienen ist. Angemeldete KLUB-Mitglieder können das Spezial auch hier im E-Magazin abrufen.