Vor dem Landgericht München I hat der Strafprozess gegen drei Verantwortliche der SAM Finanz AG, die sich später in SAM Management Group umbenannte, begonnen. Die Staatsanwaltschaft wirft den Männern vor, rund 6.000 Kapitalanleger aus ganz Deutschland um mehr als 60 Millionen Euro gebracht zu haben. Einen entsprechenden Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ) hat das Gericht auf Anfrage von FONDS professionell ONLINE bestätigt.

Im Detail soll die im schweizerischen Hergiswill ansässige SAM Finanz über ihre deutschen Ableger Bestlife Select und UCM jahrelang allzu leichtgläubigen Privatanlegern eine lukrative, fast risikolose Altersvorsorge angeboten haben, hinter der in Wahrheit aber ein Schneeballsystem steckte: Kunden traten der SAM Finanz ihre Leistungs- und Darlehensforderungen aus Lebens- und Rentenversicherungen sowie Bausparverträgen in der urkundlich begründeten Erwartung ab, als Gegenleistung das Kapital in doppelter Höhe zurückzuerhalten. 

Reine Luftnummer?
Laut Anklage hatten die Beschuldigten aber zu keiner Zeit geplant, das Kundengeld gewinnbringend anzulegen. Stattdessen sollen sie es dazu genutzt haben, ein Schneeballsystem am Laufen zu halten, das wiederum teilweise ihren aufwändigen Lebensstil finanzierte, wie die FAZ schreibt. Die Anklage lautet daher auf gewerbsmäßigen Betrug und den unerlaubten Betrieb von Bankgeschäften.

Als Kopf des Systems gilt der Hauptangeklagte, ein 54 Jahre alter Bankkaufmann aus Unterfranken, so die FAZ. Die drei Angeklagten sitzen bereits seit Februar vergangenen Jahres in Untersuchungshaft. Wenn es zu einer Verurteilung kommt, würde diese Zeit auf eine mögliche Freiheitsstrafe angerechnet. Das Verfahren gegen einen ebenfalls beschuldigten vierten Mann wurde wegen Krankheit abgetrennt. Für das komplexe Strafverfahren hat die Wirtschaftsstrafkammer 37 Verhandlungstermine angesetzt. 

Ähnlichkeiten mit S&K-Skandal
Der Fall ähnelt laut der Zeitung in seiner Konstruktion stark dem Skandal um die kollabierte Frankfurter Immobiliengesellschaft S&K. Deren beiden Gründer waren im März 2017 vom Landgericht Frankfurt wegen gemeinschaftlicher Untreue zu Haftstrafen von jeweils achteinhalb Jahren verurteilt worden. Jedoch legte einer der Unternehmer Revision zum Bundesgerichtshof ein (FONDS professionell ONLINE berichtete). (jb)