Uwe Schroeder-Wildberg, der Vorstandschef des Finanzvertriebs MLP, warnt vor einer fehlgeleiteten Regulierung zur nachhaltigen Geldanlage – mit womöglich ungewollten Nebeneffekten. Angesichts der zahlreichen Regeln und Vorschriften drohe das eigentliche Anliegen, die Stärkung der Nachhaltigkeit, auf der Strecke zu bleibe, so der Tenor eines Interviews der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" (FAS) mit Schroeder-Wildberg.

"Wir stehen vor der epochalen Aufgabe der CO2-Reduktion. Da kann es doch nicht ernsthaft zielführend sein, noch mehr Detailregulierung draufzupacken, noch mehr planwirtschaftliches Denken", kritisiert der MLP-Chef. Für die Aufgabe, die diese und die nächsten Generationen zu bewältigen hätten, sei entscheidend, den Markt zu nutzen – mit seiner Kraft, die er entfalten könne. "Durch zu viele Regeln droht aber eher ein Ausbremsen in einer Sache, die eigentlich bereits eine gute Bewegung nimmt", so Schroeder-Wildberg in der FAS.

"Abschreckende" Formalien
Konkret kritisiert der MLP-Chef unter anderem die Abfrage der "Nachhaltigkeitspräferenzen", die EU-weit ab dem kommenden Jahr in der Anlageberatung vorgesehen ist. Die nötigen Formalien wirkten "abschreckend". "Gleichzeitig birgt die Papierflut die Gefahr, dass viele Vermittler im Markt nicht aus innerer Überzeugung heraus die Dinge umsetzen, sondern nur die Vorschriften irgendwie erfüllen", sagt Schroeder-Wildberg. Das sei bedauerlich, weil viele Anleger aktuell tatsächlich gerne mit neuem Bewusstsein investieren wollten. "Da geht es darum, den Kunden wirklich entscheidungsfähig zu machen, und nicht um die Erfüllung von Formalien."

Deutliche Worte findet Schroeder-Wildberg auch zur Taxonomie, dem Kriterienkatalog, mit dem die EU festlegen möchte, welche Wirtschaftsaktivitäten als nachhaltig gelten dürfen und welche nicht. Dabei gebe es nicht "die" Nachhaltigkeit an sich. "Nehmen Sie das Beispiel Kernenergie. Es ist ja nicht so, dass diese im Sinne von CO2-Reduktion überall in Europa und von jedem Anleger abgelehnt würde", meint der MLP-Chef. Im Interview plädiert er dafür, Transparenz zu schaffen. "Die Anleger müssen wissen, was im Fonds drinsteckt, in was sie investieren. Das ist das Entscheidende. Eine enge Klassifizierung der Nachhaltigkeit durch Behörden hingegen ist brandgefährlich."

"Scheingewissheiten"
Die Politik müsse aufpassen, mit überzogenen Regeln nicht "Scheingewissheiten" zu schaffen, so Schroeder-Wildberg im Gespräch mit der FAS. "Man kann nur hoffen, dass die Regulierung sich nun möglichst nicht weiter im Granularen verliert und damit die Leute am Ende noch davon abhält, nachhaltig zu investieren." (bm)