Hoffnungsschimmer für Anleger des geschlossenen Immobilienfonds Euroselect 14 "The Gherkin" ("Die Gurke"). Die Berliner Kanzlei Kälberer & Tittel ist am 14. Dezember vom Kammergericht Berlin für ein Kapitalanlegermusterverfahren gegen die Deutsche Bank und die Commerzbank ausgewählt worden. Das berichtet das "Handelsblatt".

Die Vorgehensweise ähnelt dabei dem Prozess, den tausende Aktionäre seit Jahren gegen die Deutsche Telekom führen: Bei einem Musterverfahren muss nicht eine Vielzahl an Einzelanlegern klagen, ein Betroffener führt den Rechtsstreit stellvertretend für alle. Im konkreten Fall soll die Kanzlei Entschädigungen von den Banken für rund Tausende von Privatanlegern erstreiten, die mit dem Investment in den Fonds Geld verloren haben.

Finanzkrise führte zu Immobilienverkauf
Die Geschichte um die "Gurke" begann 2007. Damals legte die IVG den Fonds auf, der zusammen mit dem Skyline Unit Trust, einer Tochter des britischen Immobilieninvestors Evans Randall, für 630 Millionen Britische Pfund das von Stararchitekt Norman Foster entworfene Londoner Bürogebäude in Form einer Gurke erwarb. Als der Fonds im Zuge der Finanzkrise 2008 die Beleihobergrenze nicht einhalten konnte, kündigten die finanzierenden Banken, darunter die Bayerische Landesbank und die Deka, das Langfristdarlehen.

Ein Grund dafür war – vereinfacht beschrieben –, dass der Fonds zum Teil mit einem Fremdwährungskredit in Schweizer Franken finanziert worden war, der sich durch die Finanzkrise und die Abwertung des Pfundes massiv verteuerte. Zudem verlor das Gebäude auch an Wert (FONDS professionell ONLINE berichtete). Allerdings hatte der Fonds jedes Jahr operative Gewinne in zweistelliger Millionenhöhe erwirtschaftet. 2012 und 2013 waren es jeweils rund 25 Millionen Pfund. Dennoch wurde das Gebäude verkauft, Anleger verloren Millionen.

Klage wegen Prospektfehler
Seitdem versucht eine Reihe von Anwälten, im Namen der Investoren Geld zurückzuholen. Dafür halten sie sich an die Deutsche Bank, die den Fonds nach Angaben des Handelsblatts 2007 exklusiv vertrieben hatte. Die Commerzbank soll als Rechtsnachfolgerin der von ihr übernommenen Dresdner Bank haften. Diese hatte den Fonds ebenfalls im Sortiment.

Die Anwälte bemängeln dabei aber nicht die Kündigung der Kredite, sondern setzen auf den Vorwurf mangelhafter Prospekte. Die Berliner Kanzlei rügt der Zeitung zufolge im Detail mehr als zehn Prospektmängel. Dass die beiden Banken und nicht der Initiator für die Prospektmängel haften sollen, liegt daran, dass sie die Anleger nicht auf die Fehler im Prospekt hingewiesen haben. Es handele sich damit um Prospekthaftung "im weiteren Sinn", so das Handelsblatt. Kurz gesagt: Wer bei Anlegern mit fehlerhaften Prospekten wirbt, berät falsch.

Die Commerzbank äußert sich nach Angaben der Zeitung zum laufenden Verfahren nicht. Ein Sprecher der Deutschen Bank teilte lediglich mit, dass man den Eröffnungsbeschluss zur Kenntnis nehme. (jb)