Die Finanzwelt steckt nach Mifid II, Investmentsteuerreform & Co. mitten im nächsten Monsterprojekt: dem Aktionsplan der Europäischen Union zur Finanzierung nachhaltigen Wachstums. Ein Teil des Gesamtwerks tritt bereits am 10. März in Kraft: die sogenannte Offenlegungsverordnung. Mit ihr kommen auf die Anbieter von Finanzprodukten zum Teil umfangreiche Veröffentlichungspflichten zu. Dies trifft auch Fondsanbieter und Vermögensverwalter.

Konkret müssen sie künftig über zwei Themenkategorien Auskunft geben, die Nachhaltigkeitsrisiken und die negativen Auswirkungen auf Nachhaltigkeitsfaktoren (Principal Adverse Impact Indicators, PAIs). Eine Definition dieser beiden Begriffe lesen Sie im ersten Beitrag der sechsteiligen Serie von FONDS professionell ONLINE.

Alle erfasst
Die Verordnung, aus dem Englischen auch kurz SFDR genannt, trifft die Finanzmarktteilnehmer auf mehreren Ebenen. "Die Offenlegungsverordnung berücksichtigt beide Seiten, das Unternehmen und auch die Finanzprodukte", sagt Alexander Gerlach von der Gruppe Regulatory & ESG Advice der DWS. Dieser Teil der Serie widmet sich allein der Unternehmensebene. Die neuen Veröffentlichungspflichten für einzelne Fonds und Finanzberater werden in den kommenden Serienteilen beleuchtet.

Grundsätzlich müssen Fondsanbieter und Vermögensverwalter ab dem 10. März auf ihren Webseiten, in den vorvertraglichen Informationen ihrer Produkte sowie den jährlichen Berichten über Nachhaltigkeitsrisiken aufklären und erläutern, wie sie diese bei den Investmententscheidungen einbeziehen. Zudem sollen sie darlegen, wie sich diese Risken auf die Rendite auswirken können.

Dies trifft alle Anbieter, egal ob sie den Anspruch hegen, nachhaltige Produkte anzubieten oder nicht. "Es wird aber niemand davon abgehalten, solche Risiken einzugehen", betont Gerlach. "Es geht nicht um ESG per se und auch nicht darum, ein nachhaltiges Produkt zu erstellen. Vielmehr geht es darum, eine neue Art von Risiken in die Investitionsentscheidungen mit einzubeziehen."

Eine Frage der Größe
Bei den nachteiligen Auswirkungen auf Nachhaltigkeitsfaktoren hingegen hängen die Veröffentlichungspflichten von der Unternehmensgröße ab. "Finanzunternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern haben keine Wahlmöglichkeit", erläutert Gerlach. Diese müssen ab dem 30. Juni auf ihren Internetseiten Angaben darüber machen, wie sie negative Auswirkungen in ihrem Investmentprozess berücksichtigen. Anders sieht es bei Anbietern aus, die unter dieser Mitarbeiterschwelle liegen. Diese können eine Erklärung abgeben, ob sie PAIs berücksichtigen. "Falls sie dies nicht möchten, müssen sie dies begründen", sagt Magdalena Kuper, Abteilungsdirektorin Recht beim deutschen Fondsverband BVI.

Was und wie genau die Fondsgesellschaften und Vermögensverwalter zu berichten haben, steht bislang aber nicht im Detail fest. "Die Verordnung regelt zunächst nur grob die Offenlegung und stellt noch keine konkreten Anforderungen", erläutert Kuper. Details ergeben sich aus dem sogenannten technischen Regulierungsstandard, welcher die Vorgaben verfeinert. Dieser soll in diesen Tagen veröffentlicht werden.

Lange Liste
Der technische Regulierungsstandard kann sich als knifflig erweisen. Ein erster Entwurf sah beispielsweise bei den PAIs eine Liste von 32 verpflichtenden sowie 18 optionalen Indikatoren vor. "Die ursprünglichen Vorschläge zur Gestaltung der PAIs waren haarsträubend", kommentiert BVI-Expertin Kuper. "Die dafür erforderlichen Daten liegen größtenteils noch gar nicht vor." Denn die EU-weiten Berichtsstandards für die Unternehmen müssen zunächst auf die neuen Anforderungen für Finanzinvestoren einjustiert werden.

Ein Blick in den früheren Entwurf fördert Indikatoren zutage wie den Anteil unbehandelter Abwässer am gesamten Wasserverbrauch der Unternehmen im Portfolio. Ein weiteres Fundstück ist der Anteil des nicht recycelten Abfalls, den die Zielfirmen produzieren. Dies sollte auf jede investierte Million Euro umgerechnet werden. "Wir können nicht nachvollziehen, welchen Mehrwert eine solche Angabe auf Ebene des Fondsanbieters haben sollte", sagt Kuper. "Der Fondsanleger kann daraus für die Bewertung seiner Investition in einen konkreten Fonds keinen erkennbaren Nutzen ziehen."

Viele Daten sammeln
Medienberichten zufolge sehen die aktuellen Pläne vor, die PAI-Liste auf 15 Punkte zu kürzen. Dennoch kommt auf die Asset Manager eine gewaltige Aufgabe zu. Künftig müssen deutlich mehr Angaben von Unternehmen eingesammelt, verarbeitet und bereitgestellt werden. "Die hohe Zahl an Datenfeldern sorgt für einen erhöhten Datenaufwand", formuliert es Andrea Flunker von der Beratungsgesellschaft Deloitte. Die EU-Behörden haben immerhin schon durchblicken lassen, dass sie auch selbst ermittelte, geschätzte oder von ESG-Datenanbieter bezogene Angaben durchgehen lassen möchten. (ert)


Die sechs Teile der Serie auf FONDS professionell ONLINE:


Hier finden Sie den Original-Text der Verordnung (externer Link).