Nach den ersten Entwürfen, die eher für Verwirrung sorgten, hatte die Branche sehnlich auf die überarbeiteten Regeln gewartet – nun liegen sie endlich vor: Die drei Europäischen Finanzaufsichtsbehörden (ESAs) veröffentlichten Anfang Februar die technischen Regulierungsstandards (RTS), die bestimmte Vorschriften der EU-Verordnung "über nachhaltigkeitsbezogene Offenlegungspflichten im Finanzdienstleistungssektor" präzisieren. Allerdings braucht es schon etwas Zeit, aus dem 195 Seiten starken Werk die wesentlichen Aspekte herauszufiltern. Daher berichtet FONDS professionell ONLINE erst jetzt.

Die RTS zur Offenlegungsverordnung, die am 10. März 2021 in Kraft treten wird, konzentrieren sich im Wesentlichen auf zwei Themen: Zum einen konkretisieren sie den Umgang mit sogenannten nachteiligen Auswirkungen auf Nachhaltigkeitsfaktoren (Principal Adverse Impacts, PAIs) und erläutern näher, wie diese auf Gesellschaftsebene zu beschreiben sind. Zum anderen regeln sie Details der Informationspflichten für nachhaltige Finanzprodukte, also solche, die in Artikel 8 und 9 der Verordnung geregelt werden. Was genau unter PAIs und unter Artikel-8- und Artikel-9-Fonds zu verstehen ist, erläutert die Redaktion von FONDS professionell ONLINE im ersten und vierten Teil ihrer Serie zur Offenlegungsverordnung.

Deutlich weniger Indikatoren
Was schnell ins Auge springt: Sah der Konsultationsentwurf noch 32 verpflichtende und 18 optionale Indikatoren für die PAIs bei sämtlichen Assetklassen vor, so fällt der Kenngrößen-Katalog nun deutlich kürzer aus. "Es gibt nun 14 verpflichtende Indikatoren für Investitionen in Unternehmen und jeweils zwei verpflichtende Indikatoren für Investitionen in Staatsanleihen und in Immobilien", erklärt Magdalena Kuper, Abteilungsdirektorin Recht beim deutschen Fondsverband BVI. Zu den verpflichtenden Indikatoren ist dann noch jeweils mindestens ein weiterer freiwilliger Indikator aus den Bereichen Umwelt und soziale Aspekte hinzuzufügen. 

"Fondsgesellschaften müssen bei Investitionen in Unternehmen künftig mindestens 16 Indikatoren veröffentlichen, für die anderen Assetklassen sind es vier Indikatoren", sagt Kuper. Auch die Vorgaben für die Berechnung der Kennzahlen sei im Vergleich zum Konsultationsentwurf deutlich praktikabler gestaltet worden. Die mangelhafte Datenlage wird aber für einige Umweltindikatoren sowie generell für Investitionen in Drittstaatenunternehmen weiter Probleme bereiten.

Vereinfachte Datenbeschaffung
Deshalb haben die ESAs die Beschaffung der notwendigen Daten erleichtert. "Dafür dürfen Fondsgesellschaften auf unterschiedliche Methoden zurückgreifen", weiß Kuper. Sie können direkt auf Unternehmen zugehen, sie dürfen aber auch Daten von externen Anbietern einkaufen. "Die RTS greifen zudem unseren Vorschlag auf, die PAI-Indikatoren aufgrund einer gewichteten Portfoliozusammensetzung an vier Stichtagen im Jahr zu berechnen", berichtet Kuper. "Das ist eine vernünftige Lösung", sagt sie.

Das zweite Thema, dem sich die Präzisierungen der ESAs widmen, sind die Informationspflichten für nachhaltige Finanzprodukte. So regeln die finalen RTS unter anderem, dass die vorvertraglichen Informationen sowie die Informationen in den Jahresberichten für alle nachhaltigen Produkte nach vorgegebenen Standardmustern, sogenannten Templates, zu erfolgen haben. Diese klar auf das Privatkundengeschäft zielenden Informationen sollen nach Auffassung der EU-Behörden auch für Spezialfonds und Mandate gelten. Die Templates sind jeweils als Anhang zu den Verkaufsprospekten und zu den Jahresberichten bereitzustellen.

Ab wann die RTS gelten
Die RTS sollen nach dem Vorschlag der ESAs umfassend erst ab dem 1. Januar 2022 gelten. Die Umsetzung zum 10. März 2021 erfolgt deshalb nur auf Grundlage der allgemeinen Regeln in der EU-Verordnung. Für den Ausweis der PAIs auf Ebene des einzelnen Produkts gilt, dass diese erst ab Ende 2022 zu veröffentlichen sind.  

Die Präzisierungen der ESAs beziehen sich ausschließlich auf die PAIs, nicht auf Nachhaltigkeitsrisken, die ebenfalls zu veröffentlichen sind. Dafür wird es auch keine RTS geben, denn: "Die EU-Gesetzgeber haben dazu keine genaueren Vorgaben durch die EU-Behörden vorgesehen", sagt Kuper. (am)