Im Zusammenhang mit dem Hinterziehungsmodell "Goldfinger" wird es für zwei Steueranwälte aus München ernst: Das Landgericht Augsburg habe die Anklagen gegen beide Personen unverändert zur Hauptverhandlung zugelassen und das Hauptverfahren eröffnet, meldet die FAZ mit Verweis auf eine Mitteilung der Staatsanwaltschaft Augsburg vom Montag. 

Die Anwälte müssen sich ab dem 13. November vor der 10. Strafkammer des Landgerichts Augsburg als mutmaßliche Initiatoren einer großangelegten Steuerhinterziehung verantworten. Im Fall einer Verurteilung drohen den Juristen lange Haftstrafen.

Steuerausfälle in dreistelliger Millionenhöhe
Den Ermittlungen zufolge sollen die beiden Anwälte ihr illegales Steuersparmodell über eine eigens gegründete Beratungsgesellschaft betrieben haben. Die Akteure erzielten ihren Gewinn demnach durch Tricksereien rund um den Kauf und Verkauf von Gold mit eigens gegründeten Auslandsgesellschaften, vorzugsweise in Großbritannien, um die Regelungen des entsprechenden Doppelbesteuerungsabkommens auszunutzen. 2013 kam der FAZ zufolge das Aus für die Tricksereien, bis dahin entstanden laut Bundesrechnungshof Steuerausfälle in dreistelliger Millionenhöhe.

Die Zauberformel hinter "Goldfinger" lautete "negativer Progressionsvorbehalt". Ein Beispiel: Ein mittelständischer Unternehmer zieht sich aus dem Tagesgeschäft zurück und verkauft daher seine Firmenanteile mit einem zu versteuernden Gewinn von einer Million Euro. Darauf müsste er vereinfacht gerechnet den in der Bundesrepublik geltenden Spitzensatz von 45 Prozent zahlen, also 450.000 Euro.

Der Trick: Der Mann investierte  noch vor Jahresende in Gold und tut dabei so, als sei er selbst professioneller Goldhändler. Er gründet ein Unternehmen in London, kauft Gold für eine Million Euro und bringt dies in sein sogenanntes Umlaufvermögen ein. Als sein Finanzamt nachschaut, wie hoch wohl der Steuersatz für ihn sein müsste, kommt es auf den niedrigst möglichen Wert: Eine Million Euro Einnahmen minus eine Million Ausgaben ergibt Null. Trotz der faktisch hohen Einkünfte bleibt der Unternehmer in diesem Jahr komplett steuerfrei, dank des Doppelbesteuerungsabkommens mit Großbritannien. (fp/ps)