Die Staatsanwaltschaft Mannheim hat zwei Ex-Vorstände des ehemaligen Vermögensverwalters Performance IMC sowie zwei andere Personen angeklagt. Das teilte die Behörde FONDS professionell ONLINE auf Anfrage mit. Die Ermittler werfen den Beschuldigten Untreue und Betrug vor. Die zuständige Strafkammer des Landgerichts Mannheim hat aber bislang nicht über die Eröffnung des Hauptverfahrens entschieden. 

Damit beginnt ein weiteres Kapitel in dem seit Mitte 2017 laufenden Verfahren gegen zwei Ex-Vorstände von Performance IMC sowie ursprünglich neun weitere Personen. Ausgangspunkt der war der "Verdacht der Marktmanipulation, der Untreue und des Betrugs" bei der Ausgabe von Anleihen. Der Vermögensverwalter selbst, gegen den nie ermittelt wurde, ist mittlerweile mit der German Capital Management (Gecam) verschmolzen worden

Investition in Anleihen – trotz Ausfallrisiko
Konkret wirft die Staatsanwaltschaft in ihrer Ende 2019 eingereichten Klage den beiden ehemaligen Verantwortlichen von Performance IMC vor, dass sie 2015 Anleihen zweier Gesellschaften mit beschränkter Haftung (GmbH) zum einen direkt oder indirekt über offene Fonds für Kunden erworben haben (FONDS professionell ONLINE berichtete damals ausführlich). Zum anderen hätten sie die Papiere auch zwei anderen Portfolios empfohlen – obwohl ein Ausfall der Anleihen möglich war. Zwei Verantwortliche der GmbHs, die die Anleihen ausgaben und die nun auch angeklagt sind, kannten laut Angabe der Behörde dieses Ausfallrisiko und haben unter anderem durch Scheinrechnungen Manipulationen im Rechnungswesen vorgenommen.
 
"Die in der Anklage dargestellten Sachverhalte wertete die Staatsanwaltschaft als zwölf gewerbsmäßige Untreuetaten zu Lasten von Kunden der Performance IMC beziehungsweise als Beihilfe hierzu, wobei der Untreuenachteil sich auf insgesamt über sechs Millionen Euro summiert", schreibt die Behörde. Zudem geht sie nach eigenen Angaben davon aus, dass die Empfehlungen der Anleihen gegenüber den offenen Fonds jeweils einen gewerbsmäßigen Betrug mit Schaden in Höhe von insgesamt rund einer Million Euro darstellen. Insgesamt legen die Ermittler den vier Personen sechs gemeinschaftlich begangene Betrugstaten zur Last.

Anklagen wegen Marktmanipulation
Die beiden Ex-Vorstände des Vermögensverwalters müssen sich laut Staatsanwaltschaft darüber hinaus wegen Marktmanipulation sowie unerlaubten Bankgeschäften nach dem Kreditwesengesetz (KWG) in vier Fällen verantworten. Den Verantwortlichen der GmbHs, die die Anleihen ausgaben, werden zudem Bilanzmanipulationen für die Jahre 2015, 2016 und 2017 zur Last gelegt. Die Ermittlungsverfahren gegen zwei weitere Personen wurden eingestellt, davon ein Verfahren gegen Zahlung eines Geldbetrages. Gegen vier weitere werde noch ermittelt. (jb)