In der Causa PIM Gold bringen sich erste Anlegeranwälte in Stellung. In deren Fokus gerieten nicht nur die Verantwortlichen des Edelmetallhändlers, sondern auch die Vermittler der Goldanlagen. "Das Kalkül ist recht einfach: Wenn überhaupt, dann ist bei den Vermittlern etwas zu holen", sagt Philipp Mertens, Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht und Partner der Düsseldorfer Kanzlei BMS Rechtsanwälte.

Zur Erinnerung: Die Staatsanwaltschaft Darmstadt hatte PIM Gold Anfang dieses Monats durchsuchen lassen (FONDS professionell ONLINE berichtete). Sie wirft einem 48 Jahre alten Mann, der mittlerweile in Untersuchungshaft sitzt, unter anderem "gewerbsmäßigen Betrug" vor. Ersten Ermittlungen zufolge fehlen angeblich fast zwei Tonnen Gold, die den Kunden zustehen würden. Das Unternehmen bestritt Vorwürfe in diese Richtung früher stets vehement, seit einigen Tagen reagiert es nicht mehr auf die Bitte einer Stellungnahme.

"Nicht in Panik verfallen"
Dass die Anleger angesichts solcher Nachrichten in heller Aufregung sind, ist verständlich. Dennoch rät Mertens Finanzberatern, Ruhe zu bewahren. "Im Moment sollten Vermittler vor allem nicht in Panik verfallen", sagt er. "Insbesondere sollten sie nicht versuchen, selbst noch etwas für ihre Kunden zu erreichen. Es mag vielleicht hart klingen, aber die Freunde von gestern sind die Feinde von morgen!"

Zu besonderer Vorsicht rät Mertens daher auch bei "Angeboten" von Anlegeranwälten, die versprechen, sich für die Kunden des Vermittlers einzusetzen. "Spätestens, wenn der Anlegeranwalt feststellt, dass bei PIM Gold oder den Hintermännern nichts zu holen ist, wird er sich an die Vermittler halten." Ohne eigenen Rechtsbeistand sollten Vermittler weder mit ihren Kunden noch mit deren Anwälten kommunizieren. "Die Gefahr, dass einem solche Schreiben in der weiteren Auseinandersetzung auf die Füße fallen, ist viel zu groß", meint Mertens. (bm)