Die Nachricht selbst dürfte sich mittlerweile herumgesprochen haben: Wenn Anfang 2018 das Investmentsteuerreformgesetz in Kraft tritt, ändert sich für Fondsanleger steuerlich jede Menge. Weniger bekannt ist, dass die Reform auch für fondsgebundene Lebens- und Rentenversicherungen neue Regeln bringt. Damit werden die Policen im direkten Vergleich mit Fondssparplänen künftig anders abschneiden als bisher.

Nach dem neuen Gesetz müssen deutsche Publikumsfonds auf in Deutschland erzielte Dividenden, Mieterträge und Gewinne aus dem Verkauf von Immobilien 15 Prozent Steuern zahlen. Als Ausgleich dafür hat der Gesetzgeber steuerliche Teilfreistellungen für Privatanleger vorgesehen. Je nach Art des Portfolios fallen sie unterschiedlich hoch aus. Bei Mischfonds mit einer in den Anlagebedingungen festgelegten Aktienquote von mindestens 25 Prozent erhält der Anleger auf seine Erträge einen Abschlag in Höhe von 15 Prozent. Bei Aktienfonds bleiben 30 Prozent einer Ausschüttung, der Vorabpauschale und des Veräußerungsgewinns steuerfrei.

15 Prozent auf alle Erträge
Bei Fondspolicen hingegen gibt es eine solche Staffelung nicht. Hier bekommt der Sparer immer eine Teilfreistellung von 15 Prozent auf die Erträge, die er mit den Investmentanteilen in seiner Police erzielt. Selbst die Gewinne aus Rentenportfolios, für die Inhaber von Fondssparplänen gar keine Teilfreistellung erhalten, bleiben bei Fondspolicen zu 15 Prozent steuerfrei.

In der Ansparphase sind bei fondsgebundenen Versicherungen auch künftig auf laufende Erträge keine Steuern zu zahlen. Erst wenn der Vertrag fällig und ausgezahlt wird, bedient sich das Finanzamt. Da das Halbeinkünfteverfahren gilt, werden nur 50 Prozent der Erträge mit dem persönlichen Einkommensteuersatz veranlagt. Voraussetzung dafür ist, dass der Sparer die Police zumindest zwölf Jahre gehalten hat und bei Fälligkeit mindestens 62 Jahre alt ist.

So wirkt die Teilfreistellung
Bevor der Fiskus die Einkommensteuer erhebt, erhält der Policeninhaber künftig seine Teilfreistellung von 15 Prozent auf alle Erträge, die aus Investmentanteilen stammen. Eine vereinfachte Musterrechnung ohne Berücksichtigung der Kosten zeigt, wie die neue Teilfreistellung wirkt.

Angenommen, ein 35 Jahre alter Sparer würde ab dem 1. April 2018 jeden Monat 100 Euro in eine Fondspolice einzahlen, die ausschließlich in Aktienfonds investiert. Die Portfolios erzielen nach dem Steuerabzug auf Fondsebene eine angenommene Rendite von sechs Prozent per annum. Im Alter von 67 Jahren könnte sich der Sparer eine Summe von rund 112.600 Euro auszahlen lassen.

Die eingezahlten Beiträge beliefen sich auf 38.400 Euro, der Ertragsanteil demnach auf 74.200 Euro. Da dieser zu 100 Prozent aus Investmentanteilen stammt, erhielte der Sparer die Teilfreistellung von 15 Prozent, das heißt: 11.130 Euro dürfte er von den Erträgen abziehen. Die verbleibende Summe in Höhe von 63.070 Euro müsste er zur Hälfte mit seinem Einkommensteuersatz plus Solidaritätszuschlag versteuern. Läge der Steuersatz bei 42 Prozent, gingen 13.973,16 Euro an den Fiskus.

Vergleich mit Fondssparplan
Wird die Berechnung für einen Fondssparplan auf dieselben Aktienfonds angestellt, ergeben sich natürlich ebenfalls Erträge in Höhe von 74.200 Euro. Im Falle des Fondssparplans wird die Gesamtsumme besteuert, dafür erhält der Anleger eine Teilfreistellung von 30 statt von 15 Prozent. Zu versteuern wären somit 51.940 Euro. Auf die Summe fallen nun Abgeltungsteuer und Soli in Höhe von 26,375 Prozent an. Damit ergibt sich eine Steuerlast von 13.699,18 Euro, also knapp 300 Euro weniger als im vorherigen Rechenbeispiel. Der Fondssparplan punktet steuerlich also auch unter den neuen Spielregeln.

Allerdings bezieht sich die Beispielrechnung auf einen Anleger, der während der Ansparphase seinen Sparerfreibetrag noch nicht ausgenutzt hat. Ein klarer Pluspunkt von Fondspolicen, der erhöhte Zinseszinseffekt, der sich durch die Steuerfreiheit in der Ansparphase ergibt, wird also auch dem Fondssparplan unterstellt. In der Praxis wird es aber Sparer geben, denen ihr Freibetrag nicht mehr zur Verfügung steht. In diesem Fall ist auf die laufenden Erträge aus thesaurierenden Fonds die neue Vorabpauschale zu zahlen.

Keine Prognosen zum Basiszins
Diese bemisst sich am sogenannten Basisertrag, der über den Basiszins errechnet wird. Viele Steuerexperten trauen sich allerdings keine Vorhersagen über die Höhe des Basiszinses in 15 oder gar 30 Jahren zu. Ein eindeutiger Vergleich der Fondssparvarianten unter den künftigen Bedingungen ist daher schwer möglich.

Eine Tendenz zeigt sich aber: Wer künftig Aktienportfolios in einer Fondspolice bespart, erhält als Ausgleich für die jährlichen Steuerzahlungen auf Fondsebene am Ende zwar die Teilfreistellung von 15 Prozent. Den großen Pluspunkt von Fondspolicen, den hohen Zinseszinseffekt, schmälert die Besteuerung auf der Fondseingangsseite dennoch.

So punkten die Produkte
Sparpläne auf Aktienfonds werden sich im Vergleich zu Fondspolicen, die solche Portfolios besparen, künftig besser schlagen als bislang. Setzen Sparer auf Mischfonds, dürfte ein Produktvergleich aufgrund desselben Teilfreistellungssatzes ähnlich ausfallen wie heute. Stecken in einer Police hingegen viele Rentenfonds, punktet sie in Zukunft stärker. (am)


Berater finden alle relevanten Informationen zu der Reform in der Broschüre "Investmentsteuerreform kompakt" des Fondsverbands BVI. Diese können Sie bei FONDS professionell ONLINE als pdf herunterladen und zudem für Ihre Kunden personalisieren.