Anleger der vier deutschen P&R-Containergesellschaften wünschen sich sicherlich, nie in die Schiffscontainer investiert zu haben. Nicht nur haben sich die geschlossenen Beteiligungen als Totalausfall entpuppt, sodass die Anleger bangen müssen, ob und wie viel Geld sie im Zuge des Insolvenzverfahrens zurückbekommen werden – es ist von Verbindlichkeiten in Höhe von einer Milliarde Euro die Rede. Nun gibt es eine weitere schlechte Nachricht.

Anleger müssen sich womöglich auf Rückforderungen des Insolvenzverwalters Michael Jaffé gefasst machen – im Fachjargon "Insolvenzanfechtung" genannt. Das berichtet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) unter Berufung auf die Siegburger Kanzlei Göddecke Rechtsanwälte. Demnach haben diese in einem Gespräch mit Mitarbeiter Jaffés erfahren, dass Zahlungen der P&R-Anlagegesellschaft in den letzten vier Jahren vor Eröffnung des Insolvenzverfahrens im März 2018 betroffen sein könnten. Insgesamt gehe es um mehr als eine halbe Milliarde Euro. 

Verzicht auf Forderungen gegen Schweizer P&R-Gesellschaft?
Ein Sprecher des Insolvenzverwalters bestätigte der Zeitung, dass eine gesetzliche Pflicht zur Prüfung von Rückzahlungsansprüchen bestehe. Davon können auch Investoren betroffen sein, die ihre letzte Auszahlung vor dem Insolvenzverfahren erhalten hatten. Die FAZ schreibt weiter, dass Marc Gericke, Anwalt bei der Kanzlei Göddecke, es aber für fraglich hält, ob die Voraussetzungen für solche Insolvenzanfechtungen erfüllt sind. Laut der Meldung gehe er davon aus, dass der Insolvenzverwalter in Briefen an P&R-Anleger anbieten werde, die Rückforderungen im Rahmen von Musterverfahren zu klären. Andernfalls müsste er Tausende von Klagen mit ungewissem Ausgang führen.

Gericke argwöhnt, dass das Schreiben einen weiteren, mit der Insolvenzanfechtung nicht in Zusammenhang stehenden Punkt, enthalten könnte: Anleger könnten zu einer Forderungsanmeldung aufgefordert werden und dann auf Ansprüche gegenüber der nicht insolventen Schweizer P&R-Gesellschaft, die für den An- und Verkauf sowie die Vermietung der Container zuständig ist, verzichten. Die vermietet weiterhin die noch vorhandenen 600.000 P&R-Container, während eine Million der insgesamt 1,6 Millionen verkauften Container nicht auffindbar sind. 

Steuernachzahlungen?
Die P&R-Anleger haben zudem noch eine weitere offene "Flanke". Nach einem Bericht der Berliner Anwaltskanzlei Schirp & Partner haben Finanzämter sie aufgefordert, Nachweise über die Existenz ihrer Container und das Fortbestehen des Leasingvertrages vorzulegen. Die meisten Anleger verfügen bekanntermaßen über diese Nachweise nicht, da viele Container nur auf dem Papier existieren. Sie haben laut einer Mitteilung der Kanzlei also einen Container bezahlt, aber keinen "erhalten". 

Steuerlich bedeute das aber: Ohne diese Nachweise könne der Fiskus auf den Gedanken kommen, die AfA-Abzüge – "Absetzung für Abnutzung” oder umgangssprachlich Abschreibungen – der Vergangenheit für die "Phantom-Container" rückwirkend zu versagen. "Da die Anschaffungskosten immerhin mit zehn Prozent pro Jahr abgeschrieben werden konnten, steht bei rückwirkender Versagung bis zurück zum Ankauf unter Umständen eine erhebliche Summe – plus Zinsen – auf dem Spiel", heißt es in der Mitteilung. (jb)