Der Strafprozess gegen Heinz R. ist geplatzt. Der 76 Jahre alte Gründer der insolventen Münchner Containergesellschaft P&R ist wegen Krankheit für verhandlungsunfähig erklärt worden. Zudem hoben die Richter Landgericht München I den Haftbefehl gegen R. auf, weil die Gefahr einer Flucht ins Ausland wohl ebenfalls nicht länger besteht. "Wir haben keine Einwände gegen die Entlassung aus der U-Haft", wird eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft von verschiedenen Medien zitiert. Welche Gebrechen R. hat, geht aus den Meldungen nicht hervor. Üblicherweise verzichten Gerichte aber nur dann auf einen Strafprozess, wenn ein Angeklagter unheilbar krank ist, heißt es.

Die Staatsanwaltschaft hatte R. im September 2018 verhaften lassen. Sie wirft ihm Betrug vor, nachdem der Insolvenzverwalter des Container-Anbieters, Michael Jaffé, Ende Juli vergangenen Jahres aufgedeckt hatte, dass von 1,6 Millionen Containern, die P&R an rund 54.000 Anleger verkauft hatte, nur 618.000 real existierten. Für einen kleinen Teil dieser "Phantombuchungen", hinter denen mutmaßlich ein Schneeballsystem steckt, haben die Strafverfolger R. dann im Januar 2019  angeklagt: Konkret waren es 414 Fälle mit einem Schaden von knapp 18 Millionen Euro. Der Gesamtschaden ist wesentlich höher: In Summe sollen Anleger rund 3,5 Milliarden Euro unwiderbringlich investiert haben.

Nix bei R. zu holen
Ihre anfängliche Hoffnung, bei R., der 2018 Privatinsolvenz angemeldet hat, zumindest eine Teilentschädigung für ihre Verluste zu bekommen, dürften die Geprellten inzwischen begraben haben. Jaffé schätzt das Privatvermögen von R. auf 12 bis 13 Millionen Euro. Dem stehen aber ihm direkt zurechenbare Forderungen von rund einer Milliarde Euro seitens verschiedener P&R-Gesellschaften entgegen.

Bezüglich des Insolvenzverfahrens gab es vor zwei Wochen Neuigkeiten: Eine klare Anlegermehrheit hatte sich entschieden, das Vergleichsangebot des Insolvenzverwalters anzunehmen. Dieser solle sicherstellen, dass die Forderungen der Gläubiger nach einem einheitlichen Modell berücksichtigt werden und niemand bevor- oder benachteiligt wird, so Jaffé. (jb)