Inhaber einst beliebter Prämiensparverträge sollten sich sputen. Wenn sie ihre Ansprüche auf mögliche Zinsnachzahlungen aufrechterhalten wollen, die nicht selten mehrere tausend Euro betragen können, müssen sie bis Jahresende Zivilklage erheben. Andernfalls droht die Gefahr, dass sie leer ausgehen, wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) unter Verweis auf die Verbraucherzentrale Sachsen meldet. Einen ähnlichen Appell hatte die Finanzaufsicht Bafin Mitte September veröffentlicht

Prämiensparverträge waren zwischen 1990 und 2010 echte Blockbuster bei Sparkassen, Geschäfts- und Volksbanken. Bei solchen Verträgen erhalten die Kunden einen variablen Grundzins und zusätzlich einen jährlichen Bonus von bis zu 100 Prozent auf ihr Erspartes, der nach Vertragslaufzeit gestaffelt ist. Mit Beginn der Niedrigzinsphase infolge der globalen Finanzkrise 2008/09 schraubten viele Institute den variablen Zins jedoch kräftig herunter. Dadurch bekamen viele Verbraucher womöglich zu wenig gutgeschrieben. Dass die Festlegung des Basiszinses keine willkürliche Ermessenssache der Banken ist, steht mittlerweile fest: Der Bundesgerichtshof entschied Anfang Oktober, dass die Anbieter ihren Berechnungen einheitlich einen Zinssatz der Bundesbank für langfristige Anlagen zugrunde legen müssen. Welcher das sein wird, muss aktuell das Oberlandesgericht Dresden festlegen.

Es steht viel auf dem Spiel - für beide Seiten 
Problem ist nun, dass viele der einst unter blumigen Namen wie "VR Zukunft", "Scala" oder "VorsorgePlus" angeboten Sparverträge 2018 ausgelaufen sind und damit Ende 2021, also nach Ablauf einer Dreijahresfrist, die Ansprüche auf mitunter üppige Nachzahlungen von im Schnitt rund 3.000 Euro pro Person verjähren – so zumindest die Lesart vieler Bankjuristen. Einzige Abhilfe für Sparer ist es deshalb, eigeninitiativ den Rechtsweg zu beschreiten und die Verjährung per Klageeinreichung zu stoppen. "Es lohnt sich, aktiv zu werden und eine verjährungshemmende Maßnahme zu ergreifen, zum Beispiel durch Anschluss an eine Musterfeststellungsklage oder einen Antrag auf Schlichtung", zitiert die Zeitung Andreas Eichhorn, Vorstandsmitglied der Verbraucherzentrale Sachsen.

Neben einer eigenen Klage, für die Anwalts- und Gerichtsgebühren anfallen, haben betroffene Sparer laut Eichhorn zwei weitere Alternativen: Zum einem bestehe in allen Musterklagen, in denen noch nicht vor Gericht verhandelt wurde, die Möglichkeit, sich dem Verfahren bis zum Tag der ersten mündlichen Verhandlung anzuschließen. Die Kosten übernehme die Verbraucherzentrale Sachsen. Ein späterer Beitritt zum Verfahren sei aber nicht möglich. Alternativ ist ein Verfahren bei der Schlichtungsstelle des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV) möglich. Die Kosten für das Verfahren, Überprüfung und Berechnung der individuellen Zinsanpassungen belaufen sich auf 130 Euro je Vertrag. (jb)