Einflussreiche EU-Parlamentarier arbeiten darauf hin, Publikumsfonds länger als bislang geplant von der Priips-Verordnung auszunehmen. Haben ihre Anträge Erfolg, müssen Fondsanbieter nicht schon im kommenden Jahr beginnen, für Ucits-Sondervermögen ein Basisinformationsblatt (Key Information Document, KID) gemäß der Verordnung über verpackte Anlageprodukte (Packaged Retail Investment und Insurance Products, Priips) zu veröffentlichen, sondern könnten dies zwei bis drei Jahre später tun. Für die Fondsanbieter und die Vertriebe wäre das eine große Erleichterung.

Außerdem soll der EU-Kommission für die Evaluierung der Priips-Verordnung ein Jahr länger (bis Ende 2019) Zeit eingeräumt werden. Sie soll so die Möglichkeit erhalten, die Kinderkrankheiten des Regelwerks zu heilen. Denn die Priips-KIDs sind hoch umstritten – nicht nur bei den Produktanbietern, sondern auch bei Verbraucherschützern. Die Verordnung verpflichtet die Anbieter von Finanzprodukten wie Zertifikaten oder fondsgebundenen Rentenversicherungen dazu, teils abwegige Performance-Szenarien und Kosten auszuweisen (FONDS professionell ONLINE berichtete).

Ucits-Fonds sind von dieser Pflicht bislang ausgenommen, die Investmentgesellschaften dürfen weiterhin die bewährten "Wesentlichen Anlegerinformationen" veröffentlichen. Diese Übergangsfrist läuft Ende 2019 allerdings aus – es sei denn, es kommt zur jetzt angestoßenen Verlängerung.

Mehrere Fraktionen ziehen an einem Strang
Die Änderungsanträge finden sich in einem Sitzungsdossier von Wolf Klinz, der für die Liberalen im EU-Parlament sitzt und Mitglied des Ausschusses für Wirtschaft und Währung (Econ) ist. Klinz ist Berichterstatter für die Regulierung des grenzüberschreitenden Fondsvertriebs. Die Sitzung fand am Donnerstag statt. Dem Dossier zufolge fordern Klinz sowie die Parlamentarier Alain Lamassoure (Christdemokraten) und Syed Kamall (Konservative), die Übergangsfrist für Ucits-Fonds um 24 Monate zu verlängern.

Markus Ferber, Koordinator der christdemokratischen Fraktion im Econ-Ausschuss, plädiert sogar für eine Verschiebung um drei Jahre. Das Priips-KID habe sich für Privatkunden als "problematisch und verwirrend" erwiesen, sagte er laut Protokoll. Für Publikumsfonds sollte es erst Anwendung finden, wenn die nötigen Verbesserungen umgesetzt worden seien, so Ferber.

"Probleme sind komplex, um auf die Schnelle gelöst zu werden"
Mit Blick auf den breiten, fraktionsübergreifenden Konsens ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass der Econ-Ausschuss und danach das EU-Parlament der vorgeschlagenen Verschiebung zustimmen. Danach muss die Branche auf erfolgreiche Verhandlungen im Trilog zwischen Parlament, Kommission und Europäischem Rat hoffen.

Ein Sprecher des deutschen Fondsverbands BVI begrüßte die Änderungsanträge. "Die Politik hat erkannt, dass die bestehenden Probleme zu komplex sind, um auf die Schnelle gelöst zu werden", sagte er gegenüber FONDS professionell ONLINE. "Notwendig sind insbesondere Änderungen in der Berechnungsmethode der Transaktionskosten bei Priips, um die Widersprüche zum Kostenausweis nach Mifid II und IDD zu beheben." (bm)