Einst galt Medard Fuchsgruber als "Robin Hood der Kleinanleger", nun steht er vor den Trümmern seiner Existenz – und mit mehr als nur einem Bein im Gefängnis. Wie das "Handelsblatt" berichtet, werden dem Wirtschaftsdetektiv gewerbsmäßige Untreue, Insolvenzverschleppung und Urkundenfälschung vorgeworfen. Seit Januar musste sich der 55-Jährige vor dem Landgericht Saarbrücken verantworten. Am Mittwoch (4. März) verlas sein Anwalt ein Geständnis, in dem der Detektiv einräumt, rund 800.000 Euro veruntreut zu haben – Erkrankungen hätten seine kognitiven Fähigkeiten getrübt. Nun wurde Fuchsgruber zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren verurteilt.

Das Urteil war "das Beste, das herauszuholen war", sagte Fuchsgrubers Anwalt Christian Schmitt dem "Handelsblatt". Tatsächlich kann sich die Liste der Vergehen sehen lassen: Die Richter haben den einstigen Promi-Detektiv wegen gewerbsmäßiger Untreue in 195 Fällen für schuldig befunden. Der von ihm verursachte Schaden liegt laut Gericht bei fast einer Million Euro.

Zweimal zum Opfer geworden
Hintergrund des Urteils war zum einen Fuchsgrubers Tätigkeit für Geschädigte des "Dominion"-Schneeballsystems in den Jahren 2010 bis 2012. Diese hatten ihn beauftragt, möglichst viel von ihrem Geld zu retten. Tatsächlich sicherte der Detektiv in Vergleichen mit einer Bank 1,5 Millionen Euro – behielt dem Gericht zufolge aber die Hälfte davon für sich. Ein zweiter Tatkomplex umfasst Fuchsgrubers Zeit als Geschäftsführer des Leipziger Energiehändlers Rot Direkt GmbH. Statt Geld zu sichern, das ein Vorgänger ins Ausland geschafft haben sollte, bediente sich Fuchsgruber laut Richtern selbst an der Unternehmenskasse und veruntreute 288.000 Euro.

Das Urteil für den einstigen Star-Schnüffler dürfte so manchen Investor überraschen. Schließlich galt Fuchsgruber lange Zeit als Paladin geprellter Privatanleger, als einer, der Zocker und Betrüger ebenso geschickt wie unbarmherzig jagt und zur Strecke bringt. Seine Schaubilder dubioser Firmennetzwerke seien bei Anlegeranwälten noch heute legendär, berichtet das "Handelsblatt". Auch in den Medien war Fuchsgruber als Experte gefragt. Diese Zeiten sind vorbei.

Eine folgenreiche Unterschrift
Dem gefallenen Promi-Detektiv steht sogar noch weiterer Ärger ins Haus. Nach Informationen der Wirtschaftszeitung hat ihn Ende vergangenen Jahres auch die Leipziger Staatsanwaltschaft angeklagt. Der Vorwurf: Steuerhinterziehung in Höhe von 8,3 Millionen Euro. Auch dabei geht es um Fuchsgrubers kurze Zeit als Chef der Rot Direkt GmbH von Dezember 2015 bis August 2016. Der Fall ist kompliziert: Die Leipziger Firma war in ein illegales Umsatzsteuerkarussell rund um den Handel mit Kohendioxid-Zertifikaten verstrickt.

Rot Direkt soll Zwischenhändler in dem Karussell gewesen sein und dem Steuerzahler damit einen Schaden von 43 Millionen Euro verursacht haben. Heute ist das Unternehmen pleite. Fuchsgruber gilt in dieser Sache nicht als Haupttäter, soll aber als Geschäftsführer bewusst eine betrügerische Umsatzsteuererklärung abgezeichnet haben. Warum er sich mit einer Unterschrift derart in Schwierigkeiten gebracht hat, ist unklar. Ein Bekannter des Detektivs mutmaßt im "Handelsblatt", dass dieser die Dimensionen des Steuerkarussells womöglich gar nicht durchschaut hatte.

Zum Arbeiten nach draußen
Die gute Nachricht für Fuchsgruber, der in der Zwischenzeit nach Nordrhein-Westfalen übergesiedelt ist: Falls er in seiner neuen Heimat seine Haft antritt, könnte er schon bald in den offenen Vollzug wechseln, sofern er einen festen Job nachweisen kann. Bei einer zweiten Verurteilung dürfte es wohl auf eine einzelne Gesamtstrafe hinauslaufen. (fp)