Das Versicherungsvergleichsportal Gonetto hat sein Geschäftsmodell geändert. Künftig setzt die Gesellschaft aus dem hessischen Bensheim auf die Online-Vermittlung von provisionsfreien Tarifen. Genauer gesagt Bruttotarifen, bei denen der Versicherer die Courtagen auf Anfrage von Gonetto aus den Prämien herausrechnet, sodass deren Kunden einen Rabatt auf den normalen Preis erhalten. Diese Tarife bietet die Gesellschaft, die über eine Lizenz als gewerblicher Versicherungsmakler verfügt, für die Sparten Hausrat, Private Haftpflicht, Tierhaftpflicht, Wohngebäude und Unfall an.

"Reine Nettotarife ohne Courtagen existieren kaum, vor allem im Kompositbereich. Daher haben wir Versicherer gefunden, die speziell für unsere privaten Kunden die Provisionen aus den Tarifen herausnehmen", sagt Gonetto-Geschäftsführer Dieter Lendle gegenüber FONDS professionell ONLINE. Als Partner konnte Lendle bislang sechs Versicherer und Assekuradeure gewinnen, darunter die Interrisk und die Haftpflichtkasse Darmstadt. Der Geschäftsführer ist aber zuversichtlich, dass die Zahl der Kooperationspartner bis Ende August auf elf anwachsen wird. 

Bafin erzwingt Änderung des Modells
Der Wechsel war nötig geworden, weil die Finanzaufsicht Bafin dem bisherigen Geschäftsmodell von Gonetto die Basis entzogen hatte: Dieses fußte auf der Rückführung von Provisionen aus Bruttotarifen an Kunden und tangierte damit das Provisionsabgabeverbot. Im Gegenzug für die Erstattung berechnete Gonetto eine Gebühr von zwölf Euro pro Jahr und Vertrag. Für die Zukunft wurde das Preismodell leicht geändert: "Fortan kosten die Private Haftpflicht bei uns ein Euro pro Jahr. Für Hausrat-, Unfall- und Tierhalter-Policen berechnen wir je zwölf Euro, für Wohngebäudeversicherungen 24 Euro", so Lendle. "Mit dieser Spreizung unseres Preismodells werden wir dem Aufwand besser gerecht und sorgen dafür, dass die Ersparnis bei der Privathaftpflicht nicht durch die Gonetto-Gebühr überkompensiert wird."

Die ehemals getätigten Rückerstattungen hatten Mitte 2018 die Bafin auf den Plan gerufen. Seitdem streiten sich beide Seiten um die Interpretation der Ausnahmeregeln für das seit Juli 2017 im Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG) verankerte Provisionsabgabeverbot. Die in Paragraf 48b Absatz 4 VAG formulierte Ausnahme besagt, dass eine Sondervergütung erlaubt ist, soweit diese "zur dauerhaften Leistungserhöhung oder Prämienreduzierung des vermittelten Vertrags verwendet wird". 

Die Bafin ist der Auffassung, dass diese Ausnahme nur dann greift, wenn der Versicherer die Prämie über eine Anpassung des Versicherungsvertrages senkt. Eine einfache Durchleitung der Provision an Kunden ohne Änderung des Vertrages interpretiert die Behörde als Verletzung des Gesetzes. Lendle versteht den Paragrafen 48b VAG anders und hat diesbezüglich Unterstützung von der für ihn zuständigen IHK Wiesbaden bekommen (FONDS professionell ONLINE berichtete ausführlich). 

Gerichte pro Bafin
In den bisherigen juristischen Auseinandersetzungen hat Gonetto den Kürzeren gezogen. Das Verwaltungsgericht Frankfurt ist im Oktober 2018 im Rahmen eines Eilverfahrens der Argumentation der Bafin gefolgt. Eine Klärung in der nächsten Instanz, dem Hessischen Verwaltungsgerichtshof, scheiterte, weil dieses einen Eilantrag rundweg ablehnte.

Die Streitigkeiten mit der Behörde hat Genotto in massive wirtschaftliche Schwierigkeiten gestürzt, die letztlich den Strategiewechsel bewirkten. Die Bafin hatte sich zudem in einem Rundschreiben an diverse Versicherer gewandt und ausgeführt, dass sie in der "Kooperation mit Gonetto einen Verstoß gegen das Verbot von Sondervergütungen" sehe. Daraufhin hatten die Assekuranzen ihre Kooperationen mit Gonetto gestoppt.

Klage vor Europäischem Gerichtshof
Der hessische Makler konnte seine Investoren aber überzeugen, bei der Stange zu bleiben. Zudem schuf er sich mit der Vermittlung von Gewerbepolicen ein zweites Standbein, das auch künftig bestehen bleibt. "Bei diesen großvolumigen Produkten sind die Versicherer bereit, für einzelne Kunden die Prämien um den Provisionsanteil zu senken", sagt Lendle. "Bei Policen für Privatkunden wird das in der Regel nicht getan, der Aufwand ist zu groß." 

Ferner will Gonetto aber auch für sein ursprüngliches Geschäftsmodell weiter kämpfen. Da die bisherigen Verhandlungen vor den Gerichten Eilverfahren waren, wird der Makler bald vor einem Verwaltungsgericht eine Klage einreichen und das eigentliche Hauptverfahren eröffnen. Außerdem planen Lendle und sein Team, parallel auch vor den Europäischen Gerichtshof zu ziehen. (jb)