Sie ist bereits seit dem 1. August 2020 in Kraft und hat für Finanzanlagenvermittler mit Erlaubnis nach Paragraf 34f Gewerbeordnung (GewO) neue Vorschriften gebracht: die novellierte Finanzanlagenvermittlungsverordnung (FinVermV). "Neben der aufsichtsrechtlichen Bedeutung ist das neue Regelwerk auch anlegerschützend", erklärt Fatih Köylüoglu, Prüfungsleiter im Fachbereich Financial Services Insurance bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO. "Infolgedessen kann ein Verstoß gegen die anlegerschützenden Verhaltenspflichten auch eine zivilrechtliche Schadensersatzpflicht nach sich ziehen", erinnert der Experte. Es heißt also aufpassen – und 34f-Vermittler sind in der Tat auf der Hut.

Die Vermittler sind verpflichtet, für jedes Kalenderjahr durch einen geeigneten Prüfer kontrollieren zu lassen, dass sie die Vorschriften aus der FinVermV eingehalten haben. Den Prüfbericht müssen sie bis zum 31. Dezember des Folgejahres bei der zuständigen Erlaubnisbehörde einreichen. Der Prüfbericht ist ein zentrales Instrument der Aufsichtsbehörde, um die laufende Einhaltung der Berichtspflichten und damit die ordnungsgemäße Tätigkeit der Finanzanlagenvermittler zu überwachen.

Wann die Prüfpflicht gilt
Bagatell- oder Billigkeitsgrenzen gibt es dabei nicht. "Eine jährliche Prüfungspflicht besteht, wenn im Kalenderjahr der Tatbestand der Anlageberatung oder -vermittlung unabhängig vom Provisionsfluss verwirklicht wird", erläutert Köylüoglu. Die Abgabe einer Negativerklärung sei dann nicht mehr möglich. Bezieht der freie Vermittler hingegen lediglich Bestandsprovisionen, ohne Ausübung einer erlaubnispflichtigen Tätigkeit, reicht die Abgabe einer Negativerklärung.

Die erfreuliche Nachricht: Aus Sicht von Prüfer Köylüoglu hat die Zahl der Fehler in der Vermittlungs- und Beratungsdokumentation in den vergangenen Jahren messbar abgenommen. Diese Entwicklung lasse auf eine deutliche Qualitätsverbesserung in der Investmentberatung im Sinne des Verbraucher- und Anlegerschutzes schließen. Allerdings hat der BDO-Experte auch beobachtet, dass den Vermittlern mit Blick auf die neuen Berufspflichten noch einige typische Fehler unterlaufen, die sich vermeiden lassen.

Unterstützung durch Maklerpool oder Vertriebsgesellschaft
"Generell empfehle ich angesichts der verschärften Berufspflichten sowie der weiterhin zunehmenden bürokratischen Herausforderungen eine Anbindung an einen Maklerpool oder eine Vertriebsgesellschaft, die den freien Vermittlern eine allumfassende IT-Unterstützung und vordefinierte Musterunterlagen anbieten, um etwaige Verstöße und Haftungsrisiken zu vermeiden", so Köylüoglu.

Der BDO-Experte hat Fehlerquellen und Klarstellungen für FONDS professionell ONLINE zusammengetragen – die Details finden Sie in der Bilderstrecke oben! (am)