Riesiger Krypto-Laundromat hochgenommen: 700 Millionen Euro gewaschen
Nach wie vor sind Kryptowährungen ein beliebter Geldwäsche-Kanal. Auf die früher angenommene Anonymität können sich Kriminelle aber nicht verlassen, wie ein von Europol koordinierter Coup zeigt. Auch in Deutschland wurden die Behörden aktiv.
Was mit Ermittlungen gegen eine einzelne betrügerische Plattform begann, offenbarte sich als weit verzweigtes Betrugs- und Geldwäschenetzwerk, in dem nach bisherigen Erkenntnissen 700 Millionen Euro gewaschen wurden.
Nach monatelangen Ermittlungen schlugen die Behörden mehrerer Länder in zwei Phasen zu. Am 27. Oktober kam es auf Antrag von Frankreich und Belgien zu Polizeirazzien in Zypern, Deutschland und Spanien, wobei auch andere Länder wie Malta beteiligt waren. Neun Personen wurden festgenommen, ein Millionenvermögen wurde beschlagnahmt. Am 25. und 26. November gingen dann die Autoritäten in Belgien, Deutschland, Bulgarien und Israel mit Maßnahmen gegen die Affiliate-Marketing-Infrastruktur vor, also gegen Unternehmen und Verdächtige hinter betrügerischen Werbekampagnen auf sozialen Medien.
Lug und Trug
Das Netzwerk betrieb zahlreiche gefälschte Krypto-Investitionsplattformen. Tausende Opfer waren über ausgeklügelte Werbeanzeigen angelockt worden. Die Anleger, denen man hohe Renditen versprochen hatte, wurden daraufhin wiederholt von kriminellen Callcentern kontaktiert und zu weiteren Zahlungen gedrängt, indem ihnen auf gefälschten Portalen Gewinne vorgegaukelt wurden.
Sobald die Opfer ihre Krypto-Assets transferiert hatten, wurden diese gestohlen und auf verschiedenen Blockchains und Kryptowährungs-Börsen gewaschen. Beim schichtweisen Aufrollen der Geldflüsse offenbarte sich statt eines einzelnen Betrugsschemas eine "ausgefeilte Finanzinfrastruktur in Europa und darüber hinaus", wie Europol schreibt.
Deepfakes und Milliarden betrügerische Anzeigen täglich
Laut den Angaben setzten die Betrüger auch den Promi-Trick ein: Werbeanzeigen, die sich als renommierte Medien, Prominente und Politiker ausgeben – oft mit Deepfake-Videos. Diese stellen seit Jahren "eine erhebliche globale Herausforderung dar", wie die Ermittler schreiben.
Unlängst veröffentlichte "Reuters" einen Bericht, wonach allein Meta (Facebook, Instagram) 16 Milliarden Dollar jährlich wissentlich mit der Verbreitung betrügerischer Werbung einnimmt – rund zehn Prozent des Jahresumsatzes. Täglich soll Meta demnach seinen Kunden 15 Milliarden schädliche Anzeigen vorspielen.
Keine Anonymität dank neuer forensischer Methoden
Gleichzeitig haben die Strafbehörden in den vergangenen Jahren nachgerüstet. Die Wiener Krypto-Spezialisten Bernhard Haslhofer und Stefan Kitzler – beide leitende Forscher am Complexity Science Hub (CSH) – hatten in einem Interview mit der Redaktion dieses Jahr betont, dass sich Kriminelle aufgrund der fortgeschrittenen forensischen Methoden bei Krypto-Assets kaum mehr Anonymität erwarten dürfen. Alle Transaktionen seien nachvollziehbar. "Verschneidet man diese mit personenbezogenen Datenpunkten, die etwa bei Kryptowährungs-Börsen liegen, hat man plötzlich das transparenteste Finanzsystem, das jemals geschaffen wurde", so Haslhofer.
Sein Team, das in der Forensik auch mit deutschen Behörden zusammenarbeitet, geht von Tausenden Fällen pro Jahr allein in Bayern und einem bundesweiten Schaden von rund einer Milliarde Euro durch Kryptowährungs-Betrug aus. Eine entscheidende Rolle in der Aufklärung von Investmentbetrug würden Kryptowährungs-Börsen spielen. Auf sie haben US-Behörden in den vergangenen Jahren starken Druck ausgeübt. "Diese Behörden wurden aber zurückgepfiffen. Heute laufen illegale Zahlungsströme oft relativ direkt in Kryptowährungs-Börsen, um dort möglichst schnell verschleiert zu werden", zeigte sich Haslhofer kritisch zur aktuellen Haltung der US-Administration in der Betrugsvermeidung.
In Deutschland waren das Bayerische Zentralamt für die Strafverfolgung von Cyberkriminalität, die Polizeidirektion Chemnitz, die Polizeidirektion Görlitz, die Kriminalpolizei Würzburg, die Polizeidirektion Düsseldorf und weitere Behörden in den jüngsten von Europol koordinierten Coup involviert. (eml)













